Kultur » Artikel Berlin, 08.02.2012   


Darwins Alptraum - Ein Film von Hubert Sauper (Update)

Eine als wisschaftliches Experiment im Viktoriasee ausgesetzte fremde Fischart schafft es binnen kurzer Zeit, die Artenvielfalt des Sees zu zerstören. Doch da der Fisch zum weltweiten Exportschlager wird, unternimmt man nichts gegen diese Entwicklung. Darwins Alptraum wurde bereits 2004 realisiert und lief 2005 in den Kinos. Seit zwei Monaten ist er nun auf DVD verfügbar. Aktuell erhielt der Film am 24.02.05 einen französischen Filmpüreis, den César.

Täglich fliegen riesige Transportmaschinen gefüllt mit Fisch auf die Märkte dieser Welt. Doch zurück kommen sie mit einer brisanten Fracht: Waffen für die unzählbaren Kriege im Herzen des Kontinents. Dieser florierende globale Handel von Kriegsmaterial und Lebensmitteln hat an den Ufern des größten tropischen Sees der Welt eine seltsame Stimmung und Menschenmischung erzeugt, welche die Darsteller dieses Films repräsentieren: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank, heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte & russische Piloten.

Der Regisseur Hubert Sauper erhielt die Idee für seinen Film während seiner Arbeit am Film Kisangani Diary, der die ruandischen Flüchtlinge am Beginn des Bürgerkriegs 1997 bis tief in den Dschungel des Kongo verfolgte. Die Beobachtung, dass genau jene Flugzeuge, die Hilfsgüter (gelbe Erbsen) zu den Mesnchen brachten, auch Waffen, Bomben und Minen lieferten, empörte Sauper derart, daß er es in seinem Film zum Thema macht.

Hubert Sauper beschreibt es so: "Die selben Flüchtlinge, die am Tag gelbe Erbsen gefüttert bekamen, wurden in den tropischen Nächten mit Maschinengewehrsalven niedergeschossen, zehntausende Menschen waren plötzlich nicht mehr da. In den Morgenstunden filmte meine zitternde Kamera die zerstörten Lager und Körper. Eine derartige zynische und hässliche Realität zu kennen, ohne sie gesucht zu haben, war der erste Ansatz zu DARWINS ALPTRAUM, mein bisher größtes persönliches und filmisches Unterfangen."

Der Film Darwins Alptraum könnte auch in Sierra Leone spielen, nur wäre der Fisch dort ein Diamant, wie in Angola; oder Nigeria, dort wäre es Erdöl. Sind uns die zerstörerischen Mechanismen unserer Zeit auch sehr bekannt, können wir sie zumeist in ihrer Dimension nicht erfassen. Dieser Film hilft, mehr zu begreifen. Die im Film sehr nah gezeichneten Charaktere und die genau aufgezeigten Zwänge, in denen sie sich bewegen, spiegeln auf eindrucksvolle Art die Komplexität des Systems wider. Afrika-Start.de hält diesen Film für besonders sehenswert.

Ausgezeichnet wurde der Film mit dem Europäischen Filmpreis (bester Dokumentarfilm) 2004, dem Filmpreis Venedig 2004 und NfB Dokumentarfilmpreis 2004 Montreal.

Filmkritik

"Betretenes langes Schweigen. Totenstille. Wer sich einmal so richtig den Abend versauen will, sollte ein Kinoticket für Hubert Saupers gesellschaftskritische Dokumentation „Darwins Albtraum“ lösen, um seine Laune auf den Nullpunkt zu fahren. Polemik beiseite. Eigentlich sind im Kino alle Geschichten erzählt. Alles, was noch kommt, kann höchstens clevere Variation sein. Für den Dokumentarfilm gilt dies nicht unbedingt. Engagierten Filmemachern wie Sauper ist es zu verdanken, dass es noch etwas Neues zu entdecken gibt. Er sorgt mit seiner bedrückend-brillanten Doku dafür, dass die westliche Welt die Augen nicht mehr länger vor existenziellen Problemen in Afrika verschließen kann - jedenfalls nicht ohne schlechtes Gewissen."
Quelle: Filmstart.de

Artikel vom 10.02.2006 (SEC)


weiterführende Links:

« zurück
Unbenanntes Dokument Länderinfo
Vereinigte Republik Tansania



Hauptstadt: Dodoma
Unabängigkeit: seit 09.12.1961
Klima: tropisch
Amtssprache: Suaheli
Größe: 945.087 km²
Einwohnerzahl: ca. 37.000.000
Währung: Tansania-Schilling (100 Cents)
Telefonvorwahl: +255
KFZ-Kennzeichen: EAT
Internet-TLD: .tz
 
 
Presse

Zeit: Rohstoffpreise - Die heimlichen Herrscher (Westafrika) +++ Zeit: Senegalesen haben Tricksereien ihres Präsidenten satt +++ NZZ: Witze über Bärte verboten - Haft für ägyptischen Komiker wegen Beleidigung der Religion +++ taz: Flüchtlinge aus Afrika - Tod auf hoher See (Kommentar) +++ taz: Neue Proteste in Dakar- Opposition auf der Straße +++

mehr...
 
 







 
 
Termine

09.02.2012 in Berlin
Worte des Lebens (Guinea)

11.02.2012 in München
Toiletten für Schulen und öffentliche Einrichtungen in Entwicklungsländern: Wie mache ich alles richtig?

17.02.2012 in Berlin
Afrika Kulturtag Moabit

mehr...
   
   © 2005-2008 Afrika-Bildung.de Partner  |  Kontakt  |  Impressum