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Angola boomt – Gute Geschäfte in zerstörtem Land
Das südwestafrikanische Angola wird zunehmend beliebter bei ausländischen Investoren - kein Wunder, soll die Wirtschaft des Landes 2006 doch um satte 27,9 Prozent wachsen. Insbesondere Portugal ist an Geschäften mit seiner früheren Kolonie interessiert. Im Februar 2002 endeten 27 Jahre Bürgerkrieg in Angola, als Rebellenchef Jonas Savimbi erschossen wurde. Seitdem gilt das öl- und diamantenreiche Land als Investorenparadies mit hohem Potenzial. Allerdings hapert es noch an einer hinreichenden Infrastruktur und der Altlast von Landminen.
Die erste offizielle Reise des vor einem Jahr angetretenen portugiesischen Regierungschefs José Sócrates wird nach Angola gehen. Sócrates soll im April Angolas Hauptstadt Luanda besuchen, der Beginn einer ganzen Reihe von Reisen ins Ausland, auf denen für Geschäfte mit portugiesischen Investoren geworben werden soll.
Ein portugiesisches Expertenteam aus Wirtschaft, Finanzwelt und Technik ist bereits vor Ort und prüft die Investitionsmöglichkeiten in Angola, das einen der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte hat. Zu den beteiligten Firmen gehören die größten Bauunternehmen Portugals. Keine der Firmen will sich das Geschäft entgehen lassen, ein von drei Jahrzehnten Bürgerkrieg nahezu zerstörtes Land wieder aufzubauen.
Hoher Umsatz mit Krediten
Auch andere Unternehmen wie die nationale portugiesische Fluggesellschaft 'Transportes Aéreos Portugueses' (TAP), Zement-, Farben- und Autohersteller, Banken und Schulbuchverlage interessieren sich für den südwestafrikanischen Staat.
So investiert die Großbank 'Caixa Geral de Depósitos' (CGD) gemeinsam mit der spanischen Santander-Bank in die 'Banco Totta de Angola' (BTA). Deren Geschäft wächst durch die Förderung von Unternehmensgründungen in Angola rasant. Die Vergabe von Krediten wuchs 2005 mit insgesamt 51 Millionen US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr um 89 Prozent.
Auch andere portugiesische Banken siedeln sich im Land an: die 'Banco Portugués de Inversiones' (BPI) und die 'Banco do Espirito Santo' (BES). Die BPI kontrolliert durch Teilhabe an der 'Banco de Fomento de Angola' mittlerweile fast ein Fünftel des angolanischen Bankwesens. BES bezieht mittlerweile 12,3 Prozent seiner Einnahmen aus Angola, obwohl sie auch in 17 anderen Staaten ansässig ist.
Bürokratische Hürden schwinden
Angola sei "vielleicht das Land mit dem derzeit größten Investitionspotenzial in allen wirtschaftlichen Bereichen", sagte der angolanische IT-Geschäftsmann Manuel Calçada im Gespräch. Drei Jahrzehnte lang lebte der 44-Jährige außerhalb seines Heimatlandes. Erst vor kurzem besuchte er Angola und plant nun seine Rückkehr.
Die aufgeblasene Bürokratie, bislang eine der größten Hürden für Investoren, sei deutlich geschrumpft, meint Calçada: "Denn viele Angolaner, die in anderen Ländern studiert haben, nehmen jetzt führende Posten in Unternehmen und Regierung ein. Andere kehren zurück und werden wieder angolanische Bürger, was auch bald auf mich zutreffen könnte."
Calçada warnt allerdings auch vor übersteigerten Vorstellungen: "Jede ausländische Firma, die sich in Angola ansiedeln will, sollte wissen, dass 30 Jahre Bürgerkrieg ihre Spuren in der Infrastruktur hinterlassen haben. In dieser Zeit war es unmöglich, zu investieren, so dass man mit Schwierigkeiten bei der Grundversorgung mit Dingen wie Strom und Wasser rechnen muss."
Es sei zwar mittlerweile viel einfacher, eine Firma in Angola registrieren zu lassen, "aber es braucht immer noch eine lange Zeit. Deshalb ziehen es viele Investoren vor, ein einheimisches Unternehmen zu kaufen oder eine strategische Partnerschaft einzugehen." Das vereinfache die Arbeit in Angola sehr.
Grundstücke so teuer wie in Weltmetropolen
Ein Problem seien die hohen Grundstückskosten in und um Luanda, sie seien heute so teuer wie Eigentum in den teuersten Städten der Welt. Allerdings gebe es im Rest des Landes ebenfalls viele Möglichkeiten, Geschäfte zu machen: "Der Krieg hat ja zum Beispiel nahezu den ganzen Schienenverkehr im Land zerstört." Bei dem Wiederaufbau helfe China derzeit eifrig mit. Sobald die Züge wieder führen, gebe es unzählige Möglichkeiten für Geschäfte, sagt Calçada. "Dieses Land muss aus der Asche auferstehen, was auch das unglaubliche Wirtschaftswachstum von nahezu 30 Prozent erklärt", sagt er.
Doch mögen Investoren wie Calçada auch noch so optimistisch sein, das Wachstum reicht nicht für alle im Land. Die Welthandelsorganisation (WTO) drängte darum kürzlich das Land, die Früchte des Wirtschaftswachstums gut zu verteilen, damit im ganzen Land die Entwicklung vorankommt. Angola habe zwar deutliche Fortschritte bei der Stabilisierung seiner Wirtschaft gemacht. Doch all sein Potenzial in Landwirtschaft und Industrie sei bisher noch nicht der großen Mehrheit zugute gekommen. Sie lebe weiterhin in extremer Armut, so die WTO.
Andere Wirtschaftsexperten warnen, dass der wirtschaftliche Erfolg Angolas von der positiven Entwicklung der Öl- und Diamantenindustrie abhänge. Grundlegend für die Entwicklung sei auch, das Land endlich von den Minen aus dem Bürgerkrieg zu befreien. Erst dann können die unzähligen Flüchtlinge in ihre Dörfer und auf ihre Felder zurückehren. Rund ein Drittel der 12,8 Millionen Einwohner flohen während des Krieges aus ihren Heimatorten. Mehr als eine Million Menschen starben in den Auseinandersetzungen.
Artikel vom 02.03.2006 (IPS/SEC)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Republik Angola
Hauptstadt: Luanda
Unabängigkeit: seit 11.11.1975
Klima: tropisch bis heiß und trocken
Amtssprache: Portugiesisch
Größe: 1.246.700 km²
Einwohnerzahl: ca. 15.000.000
Währung: Kwanza (100 Centimos)
Telefonvorwahl: +244
KFZ-Kennzeichen: ANG
Internet-TLD: .ao
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