Wirtschaft » Artikel Berlin, 05.02.2012   


Karitebutter mausert sich zu Exportschlager

Im Kampf gegen die Armut spielt der afrikanische Karitébaum eine bedeutende Rolle. Etwa 400.000 Frauen aus Burkina Faso beschert er eine für ihre Verhältnisse beträchtliche Einnahmequelle. Das Gold der Frauen, wie die Savannenpflanze aus Zentralafrika auch genannt wird, hat die Lebensbedingungen der Landfrauen und ihrer Familien erheblich verbessert - ein Baum, der Hoffnung spendet.

Das westafrikanische Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach dem Bericht über menschliche Entwicklung des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) von 2004 leben 45,3 Prozent der 12 Millionen Burkiner unter der Armutsgrenze von weniger als einem US-Dollar am Tag. Die Kariténuss enthält ein kostbares Fett, das für die Herstellung von Kosmetik und Schokoladenprodukten eingesetzt wird. In einem langen und früher sehr mühseligen Arbeitsprozess werden die Früchte getrocknet, zerkleinert und erhitzt. Die traditionelle Erzeugung ist das Geheimnis der Frauen. Das Ergebnis ist ein pflanzliches, leicht körniges Fett von milchig-gelber Farbe: die Karitébutter, auch als Sheabutter bekannt.Inzwischen verfügen die Frauen über effizientere und weniger anstrengende Verarbeitungsmethoden.

Bedeutsames Exportprodukt

In Burkina Faso dient die Karitébutter schon seit langem als Inhaltsstoff für die Zubereitung von typischem Essen und traditioneller Seife. Mittlerweile ist sie aber auch ein kostbares Exportprodukt. Neben Baumwolle und Viehzucht sind die Produkte des Karitébaumes die wichtigsten Devisenlieferanten des Landes. Nach Angaben des nationalen Amts für Statistik und Demographie brachte der Export der Kariténüsse im Jahr 2003 etwa zwölf Millionen Dollar ein.

Schätzungsweise 80.000 Tonnen Fett werden laut Landwirtschaftsministerium jährlich aus den Früchten des Baumes extrahiert. Seit dem EU-weiten Inkrafttreten der Richtlinie für Kakao- und Schokoladenwaren im August 2003, werden jährlich 40.000 bis 60.000 Tonnen Karitébutter in der europäischen Süßwarenindustrie verwendet.

Die neue Vorschrift hat jedoch zwei Seiten: Wie die Internationale Kakao-Organisation moniert, bedeutet die Umsetzung der Richtlinie für die Kakao produzierenden Länder bis Ende 2006 einen Gewinnverlust von 780 Millionen Dollar, einen Rückgang der weltweiten Produktion um 50.000 Tonnen sowie eine Preissenkung um acht Prozent. Vor allem Côte d'Ivoire wird davon besonders schwer getroffen.

Im Gegenzug eröffnet sich den Frauen der Sahelländer - vor allem aus Burkina Faso und Mali - ein neuer Markt. Die Frauengruppierungen vertreiben in großen Mengen von mindestens 20 Tonnen monatlich die Karitébutter und sonstige aus der Nuss gewonnen Erzeugnisse, etwa Waschseife, Toilettenseife und Salbe. Marcelline Ouédraogo, Koordinatorin der 2.000 Frauen starken Verbindung 'Songtaaba-Yalgré' (ASY), nennt im Gespräch den Leitspruch der Organisation:'Eine Frau, ein Einkommen'.

Frauensache

Aicha Diallo vertreibt seit einem Jahrzehnt Karitéprodukte. Dank des Einkommens können ihre drei Kinder zur Schule gehen. 'Die Karitéprodukte könnten den Frauen großen Reichtum schenken, wenn der Verkaufspreis höher wäre. Leider ist dies nicht der Fall. Die Händler beuten die Bauern zu sehr aus', merkt sie kritisch an. Ihr zufolge erhalten die Frauen pro Kilo zwischen vier und sechs US-Cent von den Händlern, die es wiederum für etwa 1,4 Dollar auf dem internationalen Markt weiterverkaufen. Diallo hält einen bis 1,2 Dollar je Kilo für akzeptabel. Mit Unterstützung der Internationalen Entwicklungsbehörde Kanadas (CIDA) bringen die Frauen der Genossenschaft Songtaaba neuerdings auch ISO-normierte Naturprodukte auf den Markt. 'Das Ergebnis ist positiv, weil es den Sammlerinnen und Produzentinnen einen bedeutsamen Zugewinn pro Kampagne von etwa 100 auf 500 Dollar bringt', so Ouédraogo.

Die Frauen seien traditionell mit dem Sammeln der Nüsse und der kunstvollen Produktion der Butter beauftragt, die Männer würden sich in der Regel um Transport und Vertrieb kümmern, erklärt Fati Bougouma, Leiterin des 'Projet national karité' (PNK). 1995 hat die burkinische Regierung das PKN gegründet, um die Frauen bei der Verbesserung ihrer ökonomischen Situation zu unterstützen.

Hoffnung auf höhere Einnahmen

Der französische Kosmetikhersteller "L'Occitane" und der dänische Pflanzenölproduzent 'Aarhus Oliefabrik A/S' sind Partner der burkinischen Frauen. Den Kontakt zu L'Occitane hat der UN-Entwicklungsfonds für Frauen (UNIFEM) hergestellt. Mittlerweile kauft die Kosmetikfirma direkt bei der 'Kiswendsida'-Genossenschaft, die Hunderte von burkinischen Frauengruppen vereint. 2002 hat L'Occitane ihnen 60 Tonnen Sheabutter abgekauft. Weitere Industrieländer wie Großbritannien, die Niederlande, Dänemark oder Schweden importieren ebenfalls burkinische Karitéprodukte.

Ouédraogos Wunsch ist, dass die Exporteure die verarbeiteten Karitéprodukte anstatt des Grundstoffes kaufen. Dadurch könnte ein höherer Preis erzielt, die Armut besiegt und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Gründung einer Extraktionsfabrik für Karitébutter im Laufe dieses Jahres gibt Hoffnung und steigert möglicherweise das Einkommen der Frauen. Issa Tapsoba, ein burkinischer Händler, hat sich entschieden, in diese Branche zu investieren und die 'Société d'huilerie et de fabrication de fûts métalliques du Burkina (Hufem-B)' gegründet. Größere, industriell relevante Mengen von Sheabutter zu produzieren wird die Aufgabe der Firma sein. Aus 60.000 Tonnen Nüssen sollen 27.000 Tonnen Butter extrahiert werden.

Artikel vom 01.04.2005 (Tiego Tiemtoré/ enibas)


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Burkina Faso



Hauptstadt: Ouagadougou
Unabängigkeit: seit 05.08.1960
Klima: subtropisches Klima bis Trockensavanne
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Größe: 274.200 km²
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Währung: CFA-Franc (100 Centimes)
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