Wirtschaft » Artikel Berlin, 07.09.2010   


Gesundheitsversorgung Afrikas - Fallbeispiel Kenia

In den meisten Ländern Afrikas lässt das Gesundheitssystem sehr zu wünschen übrig. Krass ist die Kluft zwischen Stadt und Land. An eine flächendeckende Versorgung oder ein Krankenversicherungssystem wie wir es kennen, ist gar nicht zu denken. In Kenia sorgt ein bodenloses Loch in der Staatskasse für eine dramatische Unterversorgung gerade der ländlichen Regionen mit medizinischen Fachkräften.

Der Staat behilft sich mit einem Einstellungsstopp, Pflegekräfte kämpfen mit der Arbeitslosigkeit, und Ärzte an staatlichen Kliniken zieht es ins Ausland oder an private Einrichtungen.

Laut wurden Klagen über den seit langem desolaten Zustand des kenianischen Gesundheitssystems erneut im Vorfeld des Weltgesundheitstages am 7. April. Nach Daten des Gesundheitsministeriums kümmern sich in dem ostafrikanischen Land derzeit ein Arzt und 49 Pfleger um 100.000 Patienten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) indes empfiehlt ein Verhältnis von einer medizinischen Fachkraft je 5.000 Patienten.

Jetzt hat sich die Regierung unter Staatspräsident Mwai Kibaki entschlossen, ab Ende Juni 3.200 Stellen zu besetzen – ein Tropfen auf den heißen Stein. Nach offiziellen Schätzungen fehlen dem Gesundheitssektor mindestens 12.000 Mitarbeiter. Hinzu kommt eine eklatante Unterversorgung der rund 2.000 staatlichen Gesundheitseinrichtungen mit essenziellen Medikamenten.

Diese Situation hat nach den ethnischen Auseinandersetzungen im nordkenianischen Turbi im letzten Jahr, bei denen 60 Menschen ums Leben kamen, dazu geführt, dass mehrere hundert Verletzte weder vor Ort noch in dem Distriktkrankenhaus angemessen versorgt werden konnten. Ein einziger Arzt musste sich um sie kümmern.

Ärzteverband fordert Taten

"Den Ärzten auf dem Land geht es besonders schlecht", sagte im Gespräch mit IPS Stephen Ochiel, der Vorsitzende des kenianischen Ärzteverbandes KMA. Anders als er, der sein Einkommen durch zusätzlicher Arbeit in einer privaten Klinik aufbessern könnte, hätten sie diese Möglichkeit nicht. "Für die vielen Armen in ländlichen Regionen kommt eine private medizinische Versorgung überhaupt nicht in Frage".

Kein Zuckerschlecken ist der Berufsalltag allerdings auch für die Ärzte in den Städten. Laut Ochiel muss ein Berufsanfänger nicht nur rund um die Uhr arbeiten, sondern auch mit 121 US-Dollar im Monat auskommen. Selbst ein gestandener Arzt wie er, brauche zum Überkleben eine Nebentätigkeit. Das, was er an der Universität verdiene, könne seinen Lebensunterhalt nicht sichern. Wesentlich besser gehe es den Ärzten an Privatkliniken. Sie nähmen das Zehnfache dessen mit nach Hause, was einer seiner Kollegen im öffentlichen Dienst verdiene.

Entsprechend viele kenianische Ärzte streben an private Einrichtungen. Viele aber auch außer Landes. Besonders attraktiv sind Stellen in den USA, in Großbritannien, in Australien oder auch in einigen Ländern des südlichen Afrika. Genaue Zahlen über die Abwanderung liegen jedoch nicht vor.

"Die Fluktuation ist sehr hoch", bestätigt Ahmed Ogwell, der Vorsitzende des Organisationsausschusses, der im kenianischen Gesundheitsministerium für die Vorbereitung des Weltgesundheitstages zuständig ist. Er bedauert vor allem, dass in Kenia an die 6.000 Krankenschwestern auf Stellensuche sind.

Nach Einschätzung des KMA ist die schlechte Bezahlung nur ein Teil des überbordenden Problems. Eine bessere Versorgung der ländlichen Regionen ist nach Einschätzung des Verbandes ohne entsprechende Anreize nicht zu bewerkstelligen. "Wir fordern vernünftige Unterkünfte und einen Härteausgleich", so Ochiel. Gegenwärtig seien solche Vergünstigungen nicht der Rede wert. "Wer zieht schon ins Niemandsland, wenn er keine Motivation dazu hat?"

Artikel vom 07.04.2006 (IPS / Joyce Mulama / SEC)

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Republik Kenia



Hauptstadt: Nairobi
Unabängigkeit: seit 12.12.1963
Klima: tropisch bis subtropisch
Amtssprache: Swahili, Englisch
Größe: 582.646 km²
Einwohnerzahl: ca. 35.000.000
Währung: Kenia-Schilling (100 Cents)
Telefonvorwahl: +254
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