Kultur » Artikel Berlin, 05.09.2010   


Kick the Lion - Faszinierende Filmidee schlecht umgesetzt

In Tansania lassen sich Spieler ihre Fußballerbeine vor dem Match mit frischem Hühnerblut einbalsamieren. In Swasiland soll der Torwart, indem er die Hand eines Pavians berührt, ungeahnte Sprungkraft entwickeln. In den Ländern südlich der Sahara hat der Begriff «Ballzauber» noch etwas ganz Ursprüngliches, wie der Film «Kick the Lion - Fußball und Magie in Afrika» dokumentiert. Ganze Mannschaften konsultieren vor einem wichtigen Spiel einen «Witchdoctor» oder einen «Jujuman», wie die Medizinmänner des Fußballs heißen.

Für den 90-minütigen Film reiste der deutsche Regisseur Oliver Becker drei Monate lang durch Tansania, Uganda, Ghana, Südafrika und Swasiland. Der Streifen, der am Montagabend in Frankfurt in Anwesenheit des südafrikanischen Botschafters seine Deutschland- Premiere erlebte, gehört zum Kunst- und Kulturprogramm der Bundesregierung für die Fußball-WM. Er wird in den kommenden Wochen in zahlreichen anderen deutschen Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln gezeigt.

Afrika hat im Fußball längst mit anderen Kontinenten gleichgezogen. Fünf afrikanische Länder sind bei der WM 2006 vertreten. Spieler wie die beim FC Chelsea London kickenden Didier Drogba (Elfenbeinküste) oder Michael Essien (Ghana) gehörten zu den Weltstars. Dass dennoch zu Hause viele Spieler immer noch auf althergebrachte Zauberkräfte zur Mobilisierung ihrer letzten Kräfte schwören, missfällt vor allem Trainern und Funktionären. «Hexerei hilft überhaupt nichts», sagt Charles Mhwasa, altgedienter Trainer in Tansania, der von seinen Schützlingen lieber mehr Trainingsfleiß sehen würde.

Der afrikanische Fußballverband hat die magischen Rituale ausdrücklich als faulen Zauber verboten - offenbar mit wenig Erfolg. Dies macht Becker in seinem Film sehr anschaulich. Doch leider kommt er der Antwort auf die Frage, wieso die Magier auch im modernen Afrika immer noch eine so wichtige Rolle spielen, nicht auf die Spur.

Mögliche Erklärungshinweise, dass Fußball auch in Afrika inzwischen ein großes Geschäft und mancher Magier in ein System der Korruption mit eingebunden ist, bleiben im Ansatz stecken. Auch ein Vergleich mit Europa oder Deutschland, wo Oliver Kahns ritualisiertes Fäusteballen in Richtung Gegner oder Jürgen Klinsmanns stets von Optimismus getragene Beschwörungsformeln ja auch eine Art von «Psycho-Doping» sind, hätte lohnend sein können. Ernst Middendorp, derzeit Erfolgscoach in Südafrika und früher Trainer von Arminia Bielefeld, sieht da keinen großen Unterschied.

«Kick the Lion» bleibt aber an der Oberfläche - und meist mit dem Blick des Safari-Reisenden auf das Exotische. Für den Zuschauer wird dieser 90-minütige Trip wegen vieler Wiederholungen und wenig ausgefeilter Filmtechnik etwas ermüdend. Vieles bleibt rätselhaft, sagt Filmemacher Becker am Ende seines Films und räumt - ungewollt - auch sein Scheitern ein.

Artikel vom 09.05.2006 (dpa)


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