|
25. Mai - Internationaler Afrika Tag
«Wenn wir uns am Bild der Massenmedien orientieren, lernen wir heute alles darüber, wie Afrikaner sterben, aber nichts darüber, wie sie leben», schreibt der schwedische Afrika-Kenner und Schriftsteller Henning Mankell. Konflikte und Katastrophen, das sind die Klischees, unter denen Afrika in Europa wahrgenommen wird. Dazu ein bisschen Trommeln, Tanz und Tierpark-Romantik. Fast unbemerkt aber verändert sich die politische, soziale und kulturelle Landschaft Afrikas mit der Geschwindigkeit eines ICE.
Was jedem Besucher auf dem Weg vom Flughafen sofort auffällt, ist der Bauboom in fast allen Städten des Schwarzen Kontinents. Auch traditionelle Grashütten auf dem Land werden immer mehr durch stabile Häuser ersetzt. Doch der erste Eindruck eines Wirtschaftswunders wird vom Massenelend der Slums eingeholt. Die Kontraste sind krass - und wachsen weiter. Kriege und Konflikte gibt es im Dutzend. Im Tschad droht gerade ein neuer zu beginnen.
Lang ist aber auch die Liste der Länder, die nach Jahrzehnten mörderischer Auseinandersetzungen einen oft noch brüchigen Frieden gefunden haben: Angola und Mosambik, Sierra Leone und Liberia, Südafrika und der Süden des Sudan. Ethnisches Denken dominiert immer noch das politische Handeln. Zugleich wissen afrikanische Politiker, dass sie in der globalen Welt nur eine Chance haben, wenn sich ihre Länder regional zusammenschließen. Die westafrikanische Wirtschaftsunion ECOWAS hat sowohl die wirtschaftliche Integration vorangetrieben als auch stark zur Sicherheit in der Region beigetragen. Man träumt bereits von einer gemeinsamen Währung.
Afrikanische Union effizienter als Vorgängerorganisation
Auch die neu geschaffene Afrikanische Union (AU) ist trotz Defiziten stärker als ihre Vorgängerorganisation. Sie arbeitet aktiv als Schlichter in Krisengebieten wie Darfur oder der Elfenbeinküste. Die Machtverschiebungen in der Welt verschaffen Afrika neue Optionen. Die Schwellenländer China, Indien und Brasilien drängen mit Macht auf die afrikanischen Märkte - auf der Suche nach Rohstoffen und Absatzmöglichkeiten.
Sie brechen das alte bipolare Nord-Süd-Schema auf und geben Regierungen einen größeren Spielraum gegen Preisdiktate und Ausbeutung der ehemaligen Kolonialherren. Zugleich bieten sie billigere Waren und Technologie an. Chinas Handel mit Afrika hat sich in den vergangenen 30 Jahren auf 40 Milliarden verzehnfacht. Die größte Revolution geschieht in der Kommunikation.
Auch in kleineren Orten in Afrika findet sich heute oft ein Internet-Cafe. Wer etwas auf sich hält, hat zumindest eine E-Mail-Adresse. Der deutsche Besucher staunt, wenn die Nomaden-Oma ihr Handy hervorkramt und mit den Enkeln in der Stadt telefoniert. Auch wo nichts mehr funktioniert - wie in Teilen des Kongo - zumindest das Satellitentelefon tut seinen Dienst. Wenn Afrikas technologischer Rückstand auch in der jahrhundertelangen Isolierung des Kontinents begründet liegt, dann ist die Bedeutung des Anschlusses an das Weltkommunikationssystem nicht zu überschätzen.
Wird Afrika derzeit demokratischer?
Weder Simbabwes Robert Mugabe noch Ugandas Yoweri Museveni lassen sich noch als die Hoffnungsträger für eine afrikanische Demokratie bezeichnen, als die sie viele sehen wollten. Die forcierte Demokratisierung Afrikas nach dem Fall des Kommunismus ist einer Enttäuschung bei Bürgern und Geldgebern gewichen. Geblieben ist die große Bandbreite von Informationsangeboten. Im wichtigsten afrikanischen Medium, dem Radio, muss die politische Propaganda der Regierungssender heute mit Dutzenden privater, kommerzieller und kirchlicher Radiostationen konkurrieren. Eine neue Klasse kompetenter und couragierter Journalisten verteidigt die neue Medienfreiheit - oft unter Gefahr für persönliche Freiheit und Leben.
Zumindest zum Afrika-Tag, dem 25. Mai, sollte der Westen nicht nur an Aids-Kranke, hungernde Kinder und korrupte Diktatoren denken, sondern auch Schlagzeilen wie diese wahrnehmen: «Internationale Atombehörde besichtigt zwei nigerianische Forschungsreaktoren.» - «Mbeki eröffnet größtes Teleskop der südlichen Hemisphäre» oder «Elektronische Vernetzung der ostafrikanischen Börsen».
Artikel vom 24.05.2006 (KNA)
|
|
|
|
Presse
Standard: Madrid und Rabat legen Streit um Exklave Melilla bei +++
taz: Al-Qaida im Maghreb - Spanische Geiseln freigelassen +++
taz: Vergewaltigungen stellen Uno bloß +++
KStA: Balafon und Trompete +++
SZ: Der "endgültige Krieg" in Mogadischu +++
mehr...




Termine
14.09.2010 in Mainz
Podiumsdiskussion „DESERTEC – Wüstenstrom für alle?“
14.09.2010 in Berlin
Die Finanztransaktionssteuer: Ursachen der Krise bekämpfen - Verursacher an den Kosten beteiligen!
15.09.2010 in Bonn
Wandel der Frauenrollen in Tansania
mehr... |