Vermischtes » Artikel Berlin, 08.02.2012   


Tag des Afrikanischen Kindes

Die "Organization of African Unity" erklärte den 16. Juni zum "Tag des Afrikanischen Kindes", zum Andenken an jene Schulkinder, die am 16. Juni 1976 in Soweto ums Leben kamen. Der "Tag des Afrikanischen Kindes" ist aber nicht nur dem Gedenken an die toten Kinder Sowetos gewidmet, sondern allen Kindern Afrikas.

Jedes Jahr ist dieser Tag ein Ereignis, das Regierungen, Organisationen, Medien, Öffentlichkeit und Kindern die Möglichkeit gibt, die Aufmerksamkeit auf das Leben der afrikanischen Kinder zu richten, sowie auf Initiativen, um deren Situation zu verbessern.

Überall auf dem afrikanischen Kontinent werden Kinder zu Hause, in Schulen und öffentlichen Einrichtungen zu Opfern von körperlichem, emotionalem und sexuellem Missbrauch. Dies teilte UNICEF in einer Pressemeldung mit. Sexuelle Gewalt an Kindern scheine sich immer rascher auszubreiten, "unentschuldbar angetrieben durch bewaffnete Konflikte, bittere Armut und HIV/AIDS".

Straßenkinder seien ständig mit Gewalt und Brutalität konfrontiert, auch von Seiten der Polizei. Unzählige Kinder müssten unter gefährlichen Umständen arbeiten und würden missbraucht und ausgebeutet. Jedes Jahr würden drei Millionen Mädchen und Frauen dem Ritual der genitalen Verstümmelung unterzogen. In West- und Zentralafrika würden jährlich tausende Mädchen und Buben Opfer von Kinderhändlern.

Eine UN-Studie über Gewalt an Kindern wird voraussichtlich im Oktober 2006 der UN-Generalversammlung präsentiert werden. Die Studie soll ein detailliertes globales Bild von Gewalt an Kindern enthalten sowie Empfehlungen hinsichtlich Gesetzen, Strategien und Programmen.

Augenmerk auf Flüchtlingskinder im Sudan

UNICEF Austria wimdet sich insbesondere der katastrophalen Situation der Flüchtlingskinder aus dem Sudan.

Über eine Million Menschen aus der Krisenregion Darfur im West-Sudan sind auf der Flucht, die Mehrzahl der Flüchtlinge sind Kinder und Frauen. Die Vertriebenen flohen vor den bewaffenten Janjaweed-Milizen, die auf Pferden und Kamelen ihre Dörfer angriffen, mordeten, plünderten und vergewaltigten.

Jedes fünfte Kind in den Flüchtlingslagern in der Region Darfur ist bereits akut mangelernährt. In den Gesundheitszentren steigt die Zahl der ausgezehrten und kranker Kinder seit Wochen kontinuierlich. Die meisten Kinder leiden an Durchfall, Masern und fiebriger Erkältung. Täglich sterben Kinder an Hunger und Schwäche.

UNICEF-Direktorin Carol Bellamy überzeugt sich soeben persönlich von der Lage der vertriebenen Kinder in Darfur.. Drei Tage lang tourte sie durch die Krisenregion, besuchte Flüchtlingslager und sprach mit den Kindern und ihren Familien. Bellamy forderte mehr internationale Hilfe für diese Krise. "Wir müssen uns jetzt alle ins Zeug legen", sagte sie bei einem Besuch in Kass, wo etwa 30.000 Flüchtlinge in behelfsmäßigen Unterkünften leben.

UNICEF hat in den vergangenen Wochen 130 Tonnen hochproteinhaltige Spezialmilch für unterernährte Kinder an Krankenhäuser und Ernährungszentren in Darfur verteilt. 81 Gesundheitsstationen wurden mit den wichtigsten Medikamenten für bis zu 500.000 Menschen ausgestattet, eine Masernimpfkampagne für über 2 Millionen Kinder ist bereits angelaufen. An Flüchtlingsfamilien verteilte UNICEF 28.000 Decken und über 22.000 Plastikplanen, 340.000 Menschen werden mit sauberem Trinkwasser versorgt.

Plan International will Bedeutung von Geburtsurkunden vermitteln

Das international tätige Hilfswerk Plan, das sich für die Umsetzung der Kinderrechte einsetzt, widmet sich am heutigen Tag der Bedeutung von Geburtsurkunden. Diese muss vor allem in Afrika stärker ins Bewusstsein rücken.

Vor allem in den Ländern südlich der Sahara ist die Situation katastrophal. Sieben von zehn Neugeborenen erhalten keine Geburtsurkunde. Damit hat die Region die weltweit höchste Rate nicht registrierter Kinder. "Ohne Geburtsurkunden haben Kinder keine gesetzlich anerkannte Identität und existieren somit offiziell nicht. Sie sind ohne Schutz und Rechte und daher besonders häufig Opfer von Kinderhandel und Missbrauch", sagt Marianne M. Raven, Geschäftsführerin von Plan Deutschland.

Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 7, ist jedes Kind sofort nach seiner Geburt in ein Register einzutragen. Immer noch werden aber jährlich mehr als 40 Millionen Neugeborene nicht erfasst. Deshalb macht sich Plan seit fünf Jahren für das Recht der Kinder auf einen Identitätsnachweis stark. Mit wachsendem Erfolg: In Indien haben über drei Millionen Kinder, in Bangladesch über vier Millionen Kinder mit Hilfe von Plan eine Geburtsurkunde erhalten.

Ähnliche Erfolge möchte Plan jetzt auch in Afrika erzielen. So setzt sich Plan in Kamerun dafür ein, dass auch Minderheiten wie die Baka Pygmäen, die als Nomadenvolk keinen festen Wohnsitz haben, registriert werden. Plan führt Aufklärungskampagnen für Hebammen, Standesbeamte und Eltern durch, richtet Registrierstuben ein, gründet in den Dörfern Komitees zur Geburtenregistrierung und erstellt zusammen mit der Regierung ein Geburtsregister. Ziel ist es, auch ältere Kinder und Erwachsene nachträglich dort aufzunehmen. 200 Erwachsene vom Volk der Baka haben bereits auf diese Weise eine Geburtsurkunde erhalten.

Kindersoldaten

Auch darf an einem solchen Tag das Schicksal von Kindersoldaten nicht vergessen werden. Die Zahl der Kindersoldaten unter Waffen wird weltweit auf etwa 250 000 geschätzt. Ein Drittel von ihnen sind Mädchen. Nach Angaben der Uno sind zwischen 1990 und 2000 zwei Millionen Kinder in Kriegen - vor allem in Afrika - gefallen. Sechs Millionen wurden zu Invaliden. Viele der kleinen Krieger sind jünger als zehn Jahre.

Die meist aus den ärmsten Schichten der Bevölkerung stammenden Kindersoldaten sind durch die Kriegsereignisse von den Eltern getrennt worden. Die Eltern stehen ihren Kindern bei der Rückkehr oft unversöhnlich gegenüber, weil sie wissen, dass ihre Kinder getötet haben. Oft sind es auch Kinder aus Flüchtlings- und Vertriebenenlagern oder Straßenkinder.

Laut Rom-Statut des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ist die Rekrutierung von unter 15jährigen ein Kriegsverbrechen und wird strafrechtlich verfolgt. Die 1998 gegründete internationale Koalition gegen Kindersoldaten mit Sitz in London fordert, daß niemand, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, in reguläre Streitkräfte oder nichtreguläre bewaffnete Gruppen rekrutiert werden darf. Diese Koalition hat auch eine Sektion in Deutschland.

Artikel vom 16.06.2006 (PM/SEC)


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