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Berlin, 05.09.2010 |
Ituri-Rebellen terrorisieren die Bevölkerung
Die bewaffneten Milzen, die im nordostkongolesischen Ituri das Sagen haben und die Bevölkerung terrorisieren, stellen sich zunehmend als eine der größten Gefahren für den Frieden in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) heraus. Die Ermordung von neun Soldaten der UN-Mission MONUC Anfang März in Kafe in der Nähe der Distrikthauptstadt Bunia hat offenbart, dass hier offizielle Waffenstillstandsabkommen nichts gelten.
Der andauernde Konflikt zwischen den Ethnien der Hutu und Tutsi sowie zwischen Hema und und Lendu ist einer der Hintergründe der blutigen Unruhen. Das Bauernvolk der Hema und das Hirtenvolk der Lendu mit seinen Rinderherden machen sich das Land streitig und werden dabei von schwer bewaffneten Milizen unterstützt.
Die Regierung der DRC bemüht sich um die Integration der Milizen samt ihrer Führung und hat im Januar Milizenchefs aus Ituri in die Hauptstadt Kinshasa beordert, um sie von ihren Truppen zu trennen. Doch einer von ihnen, Jérôme Kakwavu, befehligte die Lendu-Milizen der Nationalistischen Integrationistischen Front (FNI), die am 25. Februar eine Patrouille von UN-Soldaten in einen Hinterhalt lockten und neun Soldaten aus Bangladesch ermordeten. Die Blauhelme sollte die hungernde Bevölkerung von Kafe mit Lebensmitteln versorgen.
"In Ituri hat sich am Klima der Unsicherheit nichts geändert", erklärte Rachel Eklou, die Sprecherin der MONUC-Mission in der Distrikthauptstadt Bunia. "Die Milizen der verschiedenen Ethnien bekämpfen sich jetzt nicht mehr untereinander. Sie terrorisieren die Zivilbevölkerung und rauben Lebensmittel. Mit Politik hat das nichts mehr zu tun."
Bevor die UN-Blauhelme der MONUC-Mission nach Ituri entsandt wurden, hatte hier die multinationale, überwiegend aus Franzosen bestehende Schutztruppe 'Artemis' operiert, um die verschiedenen verfeindeten Milizen auseinander zu halten. Ihr Einsatz beschränkte sich praktisch auf die Distrikthauptstadt Bunia. MONUC dagegen soll seit Ende 2004 für die Sicherheit in ganz Ituri sorgen, einem Gebiet von der Größe Ugandas. MONUC hat bei ihrem Friedenseinsatz bereits bemerkenswerte Erfolge erzielt, beispielsweise durch die Entwaffnung von Kindersoldaten. Mit dem jüngsten Überfall ist die Hoffnung auf einen weiteren erfolgreichen Einsatz geschwunden.
Milizenchefs in die Armee aufgenommen
"Mit der Übernahme der Milizenchefs in die reguläre Armee hat die kongolesische Regierung einen wesentlichen Beitrag zur Befriedung geleistet", sagte die Verwaltungschefin von Ituri, Pétronelle Vaweka, im Gespräch. "Die bewaffneten Gruppen, die derzeit die Bevölkerung angreifen, sind nichts weiter als Wegelagerer. Und als Banditen muss man sie auch behandeln. Mit ihnen gibt es keine Verhandlungen."
Unterdessen wurden Kampfhubschrauber mit Bordkanonen zur Verstärkung der Kriedenssoldaten nach Bunia geflogen. MONUC hat sie bereits bei einem Gefecht mit Milizionären im Nordosten der DRC eingesetzt. Während die ermordeten UN-Soldaten aus Bangladesch in ihre Heimat überführt worden sind, bleibt der Rest der UN-Truppe in Ituri stationiert. UN-Generalsekretär Kofi Annan hat ihnen in einer Botschaft seine Unterstützung zugesagt.
Staatspräsident Joseph Kabila schickte Verteidigungsminister Adolphe Onusumba nach Bunia. Dieser versicherte, die Mörder der MONUC-Soldaten würden nicht straflos davon kommen. Weil man sie der Komplizenschaft mit den Mördern verdächtigt, wurden drei Generäle aus Ituri in Kinshasa unter Hausarrest gestellt.
Fleisch und Fisch fehlen
Unter den Unruhen in Ituri leidet auch die Versorgung des Landes mit Lebensmitteln. Aus der Region stammen zwei Drittel des Rindfleischs, mit dem die Hauptstadt Kinshasa versorgt wird. Auch der Fischreichtum des Albertsees in Ostkivu und des Edourd- Sees in Nord-Kivu ist für die Bevölkerung der DRC eine wichtige Versorgungsquelle. Die Fischerei an den beiden Seen soll im Rahmen der Initiative des Nilbeckens gefördert werden, die von der Afrikanischen Entwicklungsbank mit 15 Millionen US-Dollar finanziert wird.
Julien Malikidogo, der Vorsitzende der nichtstaatlichen kongolesischen Entwicklungsorganisation 'L'Observatoire du Bassin du Nil', bedauert, dass die Destabilisierung der Region durch den Bürgerkrieg die Umsetzung zahlreicher Projekte verhindert hat. "Seit 1996 sind die Investitionen wegen des Bürgerkriegs eingefroren. Die Straße zwischen Goma, Beni und Bunia konnte wegen des Befreiungskrieges gegen Mobutu nicht asphaltiert werden, obwohl die Europäische Union ihre Mittel wieder freigesetzt hatte. Jetzt wird wohl auch nichts aus dem Ausbau der 1.000 Kilometer langen Straße zwischen Beni, Niania und Kisangani, die für die Entwicklung des Nordostens besonders wichtig ist."
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind in den vergangenen fünf Jahren in Ituri 50.000 Menschen bei Kämpfen zwischen Hema und Lendu ums Leben gekommen. Andere Quellen sprechen von 70.000 Toten. Eine weitere Million Menschen ist in den Busch geflohen oder hat sich über den Albert-See nach Uganda gerettet. Das UN-Flüchtlingshilfswerk schätzt, dass immer noch täglich bis zu einhundert kongolesische Flüchtlinge nach Uganda kommen.
Artikel vom 01.04.2005 (Jukuali Kambale/ enibas)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Demokratische Republik Kongo
Hauptstadt: Kinshasa
Unabängigkeit: seit 30.06.1960
Klima: Äquatorialklima
Amtssprache: Französisch
Größe: 2.344.858 km²
Einwohnerzahl: ca. 60.500.000
Währung: Kongo-Franc (100 Centimes)
Telefonvorwahl: +243
KFZ-Kennzeichen: CGO
Internet-TLD: .cd
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