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Tourismus überstrahlt im Süden Afrikas selbst Gold und Diamanten
Gold, Platin, Diamanten - jahrzehntelang haben Rohstoffe im Süden Afrikas den Wohlstand einiger weniger gesichert und hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen. Mit dem Ende des Kalten Krieges ist jedoch ein neuer Stern am Firmament der Volkswirtschaften aufgegangen: Der Tourismus.
In Südafrika hat er seit langem schon dem Goldbergbau den Stellenwert streitig gemacht, der einst den größten Anteil an der nationalen Wertschöpfung hatte. Heute kommt er gerade noch auf 5 Prozent - der Tourismus dagegen bei 7,4 Millionen Besuchern auf 8 Prozent. 478.630 neue Arbeitsplätze schuf die Branche im vergangenen Jahr. Zwölf Touristen, so die griffige Formel, schaffen einen Arbeitsplatz.
Beflügelt von der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika soll der Tourismus-Anteil bis 2014 sogar auf 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen. Die Chancen dafür stehen gut. Ob die zu Kriegszeiten lange unzugänglichen kilometerlangen Sandstrände und Inselgruppen an Mosambiks Küste oder Namibias eindringliche Wüstenlandschaft: der Tourismus spült heute mehr Dollar in die Staatssäckel als einst die traditionelle Industrie. Selbst in Angola wird nach knapp drei Jahrzehnten Krieg schon wieder um Touristen für die Nationalparks des Landes geworben.
Erfolgskonzept: Grenzübergreifender Naturpark
Die Staaten im Süden des konfliktbeladenen Kontinents setzen seit einigen Jahren auf ein Erfolgsrezept, das nur in friedlichen Zeiten möglich ist: Grenzüberschreitende Naturparks. Im Dreiländereck zwischen Südafrika, Simbabwe und Mosambik entsteht zur Zeit durch die Ergänzung des Krüger-Nationalparks um angrenzende Flächen der größte Wildpark der Welt. Durch die Zusammenlegung des Gaza-Wildparks (Mosambik), des Gonarezhou-Nationalparks (Simbabwe)und des Krüger- Naturgebiets kommt der neu entstehende Große Grenzüberschreitende Limpopo-Park (Greater Limpopo Transfrontier Park/GLTP) auf eine Fläche von 36 000 Quadratkilometern. Damit ist der unter anderem von der Weltbank und Deutschland finanzierte Park so groß wie Israel.
«Das ist erst der Anfang einer neuen Ära, in der wir die kolonialen Zäune beseitigen, die unsere Nationen seit mehreren Jahrhunderten trennen», meinte Südafrikas Präsident Thabo Mbeki bei der Eröffnung eines neuen Grenzübergangs in dem Park. Bis zum Anpfiff der ersten Fußball-WM auf afrikanischem Boden - die von dem ausrichtenden Kap-Staat bewusst als kontinentales Ereignis vermarktet wird - ist eine Tourismusroute durch die grenzüberschreitenden Parks von Angola, Botswana, Lesotho, Mosambik, Namibia, Sambia, Simbabwe, Südafrika und Swasiland angedacht. Sie soll es Urlaubern ermöglichen, diese Länder als ein Reiseziel zu erleben.
Hoffnung auf WM-Effekt 2010
Innerhalb nur eines Jahrzehnts hat es die Region geschafft, sich als relativ sicheres und populäres Fernziel im sonnigen Süden zu etablieren. Im Konferenztourismus peilt Südafrika in der Hitliste der beliebtesten Ziele weltweit bis zur WM die Top-Ten an - vor rund 12 Jahren lag das Land noch auf Rang 63, 2004 schon auf Platz 27. Mit Ausnahme des Krisenstaates Simbabwe spüren alle Länder der Region Aufbruchstimmung. Selbst das lange vom Kupfer-Bergbau abhängige Sambia setzt auf den «WM-Effekt» und hofft bis 2010 auf einen Anteil der Tourismusindustrie am BIP von 10 Prozent. (dpa)
Artikel vom 27.09.2006 (Ralf E. Krüger)
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