Politik » Artikel Berlin, 10.09.2010   


Kostenloser Grundschulbesuch in Lesotho zeigt Erfolge

Seit dem Jahr 2000 ist der Besuch der Grundschulen für Kinder in Lesotho kostenlos. Die Initiative zeigt Erfolg: Immer mehr Jungen und Mädchen werden eingeschult. Das kleine Königreich im südlichen Afrika ist auf dem besten Weg, das Millenniumsziel (MDG) Bildung für alle bis 2015 zu erreichen. Die Alphabetisierungsrate bei den Erwachsenen liegt schon jetzt bei 80 Prozent.

Bevor der Besuch der Primarschule in Lesotho kostenfrei war, wurden 60 von 100 Kindern eingeschult, im Jahr 2000 waren es bereits 80 Kinder von 100, und im Jahr 2003 besuchten 85 von 100 Jungen und Mädchen eine Grundschule. Mit Hilfe internationaler Organisationen konnte die Regierung neue Primarschulen bauen und mehr Klassenräume einrichten, vor allem in Gegenden mit schlechtem Bildungszugang.

Allein in diesem Jahr entstanden 17 komplett eingerichtete Grundschulen. Finanziert wurden sie von der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), dem irischen Entwicklungsministerium 'Irish Aid', der Europäischen Union und der Weltbank. Insgesamt konnten so zusätzlich 14.000 Jungen und Mädchen eingeschult werden. Bevor der Zugang zur Grundschulbildung kostenfrei wurde, gab es landesweit für ein Viertel aller Schüler keine Stühle. Mittlerweile steht fast jedem Kind ein Sitzplatz zur Verfügung. Auch das Lern- und Lehrmaterial wird vom Staat kostenfrei vergeben.

Zudem wurden mehr Lehrer eingestellt und ausgebildet. Während früher ein Lehrer auf 70 Schüler kam, kommt jetzt ein Lehrer auf 50 Schüler. Das Bildungsministerium hat außerdem Fernlernprogramme eingeführt, um Lehrer in den ländlichen Gebieten fortzubilden. Die Makhoa-Grundschule im Leribe-Distrikt im Norden Lesothos ist ein gutes Beispiel dafür, wie der gebührenfreie Bildungszugang nicht nur die Schulausbildung revolutioniert, sondern auch das Leben der Schüler verändert hat. Im Jahr 2002 wurde die Schule mit vier zusätzlichen Klassenräumen, einem Büro, zwei Lagerräumen, Toiletten und Wassertanks ausgestattet.

Landesweite Schulrevolution

Ursprünglich mussten sich rund 80 Schüler einen hoffnungslos überfüllten Klassenraum teilen. Viele saßen auf Steinen oder direkt auf dem Boden. Mittlerweile sind nur noch 55 Schüler in einer Klasse, und jeder hat einen Stuhl. "Alle Kinder haben jetzt Schulbücher, im Gegensatz zu früher, als nur die Lehrer Fachbücher besaßen", sagen Mamakhaola Makane und viele andere Lehrer aus Makhoa. Sie loben auch die Einführung der Lehrmethode 'Break Through to Literacy', die den Pädagogen helfen soll, mit der großen Schüleranzahl umzugehen.

Da die Schüler kostenlos mit Essen versorgt werden, konnten auch mehr Jungen und Mädchen aus armen Familien erreicht werden. "Die Kinder freuen sich auf die tägliche Mahlzeit, die sie hier bekommen. Sie erhalten eine ausgewogene Ernährung, was ihrer Gesundheit guttun, denn viele kommen aus Familien, die sich nicht mal Eier oder Milch leisten können", so 'Me Minah Monokoane.

Unter den Schülern befinden sich auch Waisen wie der 13-jährige Setlabocha One. Er geht mit seinen beiden jüngeren Geschwistern in die gleiche Klasse. "Ich bin unserer Regierung dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen und kostenlos mit Essen versorgt werden", so Setlabocha, dessen Eltern insgesamt zehn Waisen zurückgelassen haben.

Der 13 Jahre alte Nkonko Hlekisane, der aus einem siebenköpfigen Kinderhaushalt kommt, empfindet die gleiche Dankbarkeit. Mithilfe des Welternährungsprogramms (WFP) kann er Nahrungspakete mit nach Hause nehmen, die er sich mit seinen Geschwistern teilt. So sichert sich die junge Familie ihr Überleben, da sie keine Felder besitzt, um Getreide anzubauen.

Frühzeitiger Schulabbruch

Während die Einschulungsrate in den Grundschulen gesteigert werden konnte, ist die Zahl der Schulabbrecher unvermindert hoch. Im Jahr 1999 lag sie bei 59 Prozent und stieg im Jahr 2000 auf 66 Prozent, im Jahr 2001 betrug sie 65 Prozent, im Jahr 2002 58 Prozent und stieg 2003 wieder auf 65 Prozent. Von den 180.000 Schülern, die im Jahr 2000 eingeschult wurden, nahmen nur 48.000 an den Abschlussprüfungen teil.

Manche Mädchen brechen die Schule ab, weil sie heiraten oder schwanger werden. "Andere gehen weg, um Tiere zu hüten oder weil sie sitzen geblieben sind und nicht mit jüngeren Schülern in der gleichen Klasse sein wollen", erklärt Makane. "Wir dürfen auch nicht die Auswirkungen der HIV-Epidemie vergessen. Viele Kinder verlassen die Schule, um ihre kranken Eltern oder ihre verwaisten Geschwister zu versorgen." Lesotho gehört zu den Ländern mit den höchsten HIV-Raten der Welt, fast jeder dritte Erwachsene ist mit dem tödlichen Virus infiziert.

Obligatorischer Schulbesuch

Die Regierung von Lesotho hofft, das Ziel Primarbildung für alle bis 2015 mit einem neuen Gesetz zum obligatorischen Grundschulbesuch zu erreichen. Es soll Eltern davon abhalten, ihre Kinder wegen häuslicher Pflichten oder anderer Aufgaben von der Schule zu nehmen.

Die MDGs, die im Anschluss an den New Yorker UN-Millenniumsgipfel im Jahr 2000 formuliert wurden, sehen bis 2015 die Halbierung von Armut und Hunger vor, Grundschulbildung für alle, die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frau, die Senkung der Kindersterblichkeit, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern, die Bekämpfung schwerer Krankheiten wie HIV/Aids und Malaria, die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit und den Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft zwischen den Ländern des Nordens und Südens.
(ips)

Artikel vom 23.12.2006 (Ernest Chiombe)

« zurück
Unbenanntes Dokument Länderinfo
Königreich Lesotho



Hauptstadt: Maseru
Unabängigkeit: seit 04.10.1966
Klima: Hochgebirgs- bis gemäßigtes Kontinentalklima
Amtssprache: Englisch, Sesotho
Größe: 30.344 km²
Einwohnerzahl: ca. 2.000.000
Währung: Loti (100 Lisente) & Rand (100 Cent)
Telefonvorwahl: +266
KFZ-Kennzeichen: LS
Internet-TLD: .ls
 
 
Presse

Standard: Madrid und Rabat legen Streit um Exklave Melilla bei +++ taz: Al-Qaida im Maghreb - Spanische Geiseln freigelassen +++ taz: Vergewaltigungen stellen Uno bloß +++ KStA: Balafon und Trompete +++ SZ: Der "endgültige Krieg" in Mogadischu +++

mehr...
 
 







 
 
Termine

14.09.2010 in Mainz
Podiumsdiskussion „DESERTEC – Wüstenstrom für alle?“

14.09.2010 in Berlin
Die Finanztransaktionssteuer: Ursachen der Krise bekämpfen - Verursacher an den Kosten beteiligen!

15.09.2010 in Bonn
Wandel der Frauenrollen in Tansania

mehr...
   
   © 2005-2008 Afrika-Bildung.de Partner  |  Kontakt  |  Impressum