Politik » Artikel Berlin, 05.09.2010   


Erstmals Krankenversicherung für Arme

Ab dem kommenden Jahr können sich Tausende Arme in Nigeria krankenversichern. Das westafrikanische Land ist der erste Staat auf dem schwarzen Kontinent, der vom 'Health Insurance Fund' (HIF) profitiert. Das vom niederländischen Entwicklungsministerium mit insgesamt 131 Millionen US-Dollar finanzierte Projekt soll 2007 auf wenigstens drei weitere afrikanische Staaten ausgedehnt werden.

Der Fonds richtet sich an die Beschäftigten des informellen Sektors, an Studenten, Straßenhändler und arme Bauern und all die, die bislang so gut wie keinen Zugang zum Gesundheitssystem haben. Überwacht wird die Durchführung von der niederländischen Stiftung 'PharmAccess' mit Sitz in Amsterdam.

Wichtigster Partner in Nigeria ist der Privatversicherer 'Hygeia'. Bei ihm, der aus dem Fonds 33 Millionen Dollar erhält, sind unter anderem die Mitarbeiter großer multinationaler Konzerne wie 'Shell' versichert. Die Versicherung arbeitet mit fast 200 privaten und staatlichen Krankenhäusern zusammen.

Die ersten Armen, die in Nigeria in den Genuss einer Krankenversicherung kommen sollen, sind Marktfrauen in der Wirtschaftsmetropole Lagos und eine Bauerngemeinde im westnigerianischen Bundesstaat Kwara. Sechs Dollar im Jahr kostet die zu 90 Prozent subventionierte Versicherung die Frauen, zwei Dollar müssen die Bauern aufbringen. Ihre Beiträge sind zu 95 Prozent gestützt.

In beiden Fällen liegen die Aufwendungen weit unter den Kosten, die für Arztbesuche und Medikamente gemeinhin anfielen. Enthalten sind im HIF-Paket die medizinische Grundversorgung, aber auch eine etwaige HIV/Aids-Therapie oder Behandlungen bei Malaria und Grünem Star. Nach Angaben von Jan van Esch von 'PharmAccess' sind die Kunden in der Wahl des behandelnden Arztes frei. Wer nicht zufrieden ist, kann sich an ein anderes Krankenhaus wenden.

Vom Gros der Geberhilfe im Gesundheitsbereich unterscheidet sich das auf sechs Jahre angelegt Programm auch, weil seine Gelder nicht an das Gesundheitsministerium oder an Krankenhäuser gehen, sondern an einen privaten Partner. Nach Einschätzung von Experten können sich die nationalen Gesundheitssysteme in Staaten wie Nigeria ohne Beteiligung des Privatsektors nicht verbessern.
(ips)

Artikel vom 31.12.2006 (ips)

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