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„Die Exoten sind immer die Anderen! Ich beobachte die Kulturen.“
„Wir leben alle auf dem selben Globus, aber manchmal haben wir das Gefühl, eine andere Welt zu betreten“, sagt Robert Peprah-Gyamfi lächelnd. Der gebürtige Ghanaer lebte 24 Jahre in Deutschland und lernte hier mit unbekannten Werten, Bräuchen und Eigenheiten umzugehen. Er folgte 1984 seinem Lebenstraum, in Deutschland Medizin zu studieren. Ein steiniger Weg für einen Asylbewerber. Ein harter Kampf, den er gewann. In seiner Zeit als Student an der Medizinischen Hochschule in Hannover und praktizierender Arzt in Helmstedt / Stadtoldendorf bei Holzminden / Bad Gandersheim / Bad Soden-Salmünster / Quakenbrück bei Osnabrück / Düsseldorf lebte er in der Fremde, die es verstehen zu lernen galt.
Robert Peprah-Gyamfi ist Arzt und Buchautor. Der gebürtige Ghanaer lebte 24 Jahre in Deutschland, wo er Medizin studierte und als Allgemeinmediziner arbeitete. In England und Deutschland veröffentlichte Peprah-Gyamfi vor vier Jahren sein erstes Buch mit dem Titel „Der Ruf, der mein Leben veränderte“. Inzwischen lebt Peprah-Gyamfi mit seiner ghanaischen Frau, die er in Deutschland kennen lernte, und seinen drei Kindern in Großbritannien. Dort praktiziert er als freiberuflicher Arzt.
Nachdem er in seinem ersten Buch „Der Ruf, der mein Leben veränderte“ über seinen Weg aus einem kleinen Dorf namens Mintimpi in Ghana bis in die deutsche Großstädte Berlin und Hannover berichtet, erzählt sein zweites Werk über das Leben im vermeintlichen „gelobten-Land“-Deutschland aus ghanaischer Sicht. „Brief an meine sterbende Mutter“, so lautet der Titel des zweiten Buchs des Autors. „Es ist kein wissenschaftliches, sondern ein aufklärerisches Buch, das sowohl Sitten und Werte aus Ghana, wie auch aus Deutschland beleuchtet. Natürlich entstehen dabei bittersüße Momente, die zum Schmunzeln verleiten“ so Peprah-Gyamfi. Die kleinen Anekdoten aus Deutschland durch die Brille einer anderen Kultur betrachtet, zeigen dem Leser Eigenheiten und Werte, die zu hinterfragen, zu belächeln aber auch zu unterstützen sind. So bleibt die Erkenntnis nicht lange aus, dass man sein eigenes Leben, seine Gewohnheiten und sein alltägliches Handeln nicht als unveränderlich hinnehmen sollte. Dazu genügt oft schon der kurze Vergleich des Autors zwischen Ghana und Deutschland.
Interview mit Robert Peprah-Gyamfi
>> Robert Peprah-Gyamfi, wovon handelt Ihr neues Buch?
Die erste Reaktion von Lesern, die es in die Hand nehmen ist meistens: „Das scheint ein ein trauriges Buch zu sein.“ Doch der erste Eindruck trügt, wenn sie die ersten Zeilen gelesen haben, eröffnet sich dem Leser ein anderes Bild. Denn das Buch handelt von kulturellen Unterschieden in Ghana und Deutschland, die ich während meines Lebens hier entdeckte und sammelte. Das Buch ist ein offener liebevoller Blick auf die Deutschen und das eigene Volk. Meine persönlichen Erfahrungen und Anekdoten mit zwei sehr unterschiedlichen Völkern. Da bleibt es nicht aus, dass einige skurrile und bittersüße Momente zum Schmunzeln und Nachdenken entstehen.
Der Titel „Brief an meine sterbende Mutter“ ist sicherlich der Auslöser für diese Reaktion. Er ist sehr emotional und lässt einen letzten Gruß mit Zuneigungsbekundungen vermuten. Ist das so?
Natürlich ist das Buch ein Tribut an meine Mutter. Ich zeige ihr, dass sie und mein kultureller Hintergrund mein Leben entscheidend beeinflussen und immer noch prägen. Für sie schrieb ich diese Mischung aus kulturellem Vergleich und anschaulichen Anekdoten aus meinem Leben in der Ferne. Wenn man so will, bin ich ein Beobachter der Kulturen.
Sie beobachten Kulturen? Das lässt der Titel nicht erahnen.
Der Titel bezieht sich auf die Motivation, die hinter dem Schreiben des Buches stand. Ich wollte meiner Mutter ein Bild einer anderen vermeintlich besseren Welt zeigen, die sie selbst nie sehen durfte. Sie lebte immer in Ghana, das Buch zeigt kontrastierend die Eigenheiten, Charakterzüge und Werte zweier sehr unterschiedlicher Welten. Es ist ein fiktiver Brief mit heiteren Momenten aus der Ferne an meine Mutter.
Heitere Stunden mit einem Schuss Nachdenklichkeit bleiben nach der Lektüre – das steht fest. Ich habe meinen Alltag und meine Werte mal durch eine andere Brille gesehen. Wir kämpfen in „unserer Welt“ mit Phänomenen, dass wir beispielsweise Kontakt zu lieben Menschen verlieren, weil sie keine E-Mail Adresse haben oder so viele PINs haben, das wir schon Mikrowellen damit versuchen einzustellen. Sie zeigen in Ihrem Buch interessante Einblicke in die für Sie exotische deutsche Kultur und Mentalität, die Ihnen als Ghanaer auffielen.
Ja, der Exot im wirklich exotischen Deutschland. Für einen Ghanaer ist es amüsant zu sehen, dass mitten in der Nacht, wenn kein Auto weit und breit unterwegs ist, Menschen vor roten Fußgänger-Ampeln warten. In Ghana undenkbar! Aber auch ein sehr anschauliches Beispiel für die „Kein-Unsinn-Mentalität“ bei vielen Deutschen.
Ghanaer sind nicht gerade für das einhalten der Straßenordnung bekannt. Wir hatten in Mpintimpi, meinem Heimatort, einen Einwohner, den Sie German-Buroni nannten, was so viel bedeutet, wie „der weiße Mann aus Deutschland“. Er war im Gegensatz zu anderen Ghanaern etwas anderes und erschien uns, wie aus einer anderen Welt in unserem Dorf.
Ein Ausstellungsstück?
Nun er war echter Ghanaer aber er hatte die deutsche Mentalität: Er war ordentlich, diszipliniert und arbeitsam. Zudem war er sehr ungeduldig mit den Faulen. Er konnte es nicht tolerieren, wenn jemand – darunter fielen auch seine Söhne – nicht bereit war, viel Schweiß für seinen Erfolg aufzubringen. Was natürlich zu lautstarken innerfamiliären Spannungen führte. Er war der Typus Mensch, der von Morgens bis Abends auf dem Feld stand und zwischendurch noch Zeit fand die ausgelassen spielenden Kinder des Dorfes mit seinem Holzstock auf Trab zu halten.
Ist das wirklich so, dass diese Eigenschaften des German-Buroni hier in Deutschland so auffällig vertreten sind?
Oft habe ich feststellen müssen, dass Arbeit hier den allmächtigen Gott ersetzt und als Quell der Hoffnung und Sicherheit gilt. In Ghana hat Arbeit nicht diesen Stellenwert. Wegen einer Entlassung würde sich niemand umbringen. Aber man muss auch bedenken, welches Wunder die Deutschen durch ihre Einstellung zur Arbeit nach dem zweiten Weltkrieg auf die Beine stellten. Das Ergebnis ist, dass: Deutschland eines der reichsten Länder der Erde ist.
Sie bewundern die deutsche Mentalität?
Ja natürlich, aber ich habe auch erkannt, dass diese Mentalität den Menschen ein Leben nach der Natur des Lebens oftmals verbaut. So wird in Deutschland die Geburtsstunde und der Geburtstag minutiös festgehalten. Nach diesem Datum richtet sich viel im Leben eines Deutschen, Lebensphasen werden danach eingeteilt, das Sternzeichen wird festgelegt und man wird kategorisiert in Teeny, Twen usw. In Ghana sehen wir das lockerer. Ich gehöre noch zu der Generation, dessen Geburtsdatum keiner festgehalten hat. Erst im Rahmen meiner Auswanderung nach Deutschland hat man mich in Ghana auf einem Amt „geschätzt“. Seit diesem Tag bin ich offiziell geboren am 19.Oktober 1961 in Mpintimpi/Ghana. Kurzum, in Ghana hört man den Satz selten bei einem ersten Treffen zwischen Mann und Frau: „Du bist also Waage und ich bin Zwilling. Das heißt, dass wir sehr gut zusammenpassen.“
Sie haben jetzt zwei Bücher auf dem Markt. Schreiben Sie schon an Ihrem nächsten Buch? Auf was kann sich der Leser freuen?
Im Moment steht eine neue Homepage von mir online, sie nennt sich THANK YOU JESUS MINISTRY (Internet und TV-Ministry). Mein erster Fernseh-Auftritt als Prediger ist im britischen christlichen TV-Sender Christian TV für Ende Dezember geplant. Sollte ich Erfolg haben, werde ich monatlich einen festen Sendeplatz bekommen. Ich sehe mich als freiberuflichen Evangelisten, der Einladungen zum Predigen gerne wahrnimmt, wenn es mein Beruf als Arzt zulässt.
Aber auch als Autor bin ich weiterhin aktiv. So habe ich gerade mein drittes Buch fertig gestellt. In diesem Fall handelt es sich um Gedichte, die Christen angesichts Krankheiten, Problemen und Verzweiflung ermutigen sollen. Als Buchtitel habe ich „I am inspired by Jesus name“ angedacht. Voraussichtlich wird es Ende Januar 2007 auf dem Markt sein.
Vielen Dank für das Interview.
Es war mir eine Freude.<<
Das Interview wurde uns von der psh communications zur Verfügung gestellt.
Artikel vom 09.01.2007 (PM/SEC)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Republik Ghana
Hauptstadt: Accra
Unabängigkeit: seit 06.03.1957
Klima: tropisch feuchtheiß
Amtssprache: Englisch
Größe: 238.537 km²
Einwohnerzahl: ca. 20.500.000
Währung: New Cedi (100 Pesewa)
Telefonvorwahl: +233
KFZ-Kennzeichen: GH
Internet-TLD: .gh
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