Politik » Artikel Berlin, 08.02.2012   


Ausbildungszentrum im Distrikt Bugesera in Ruanda

Das Richtfest des Ausbildungszentrums für Elektriker und Solartechniker ist für Mitte Juni 2007 im Ort Nyamata geplant. Erfahren Sie hier mehr über die Anfänge des Projektes und über die Eindrücke, die Thomas Just beim ersten Afrika Projekt der Grünhelme in Ruanda sammeln konnte.

Drei Wochen in diesem Ruanda, über das man so vieles gehört hat. So viel Schlechtes, Gutes, Schreckliches, auch Euphorisches. Manche sagen, dieses Land sei verseucht. Und Afrika als Kontinent habe eh keine Chance. Es wurde so vieles in den letzten 50 Jahren in Afrika investiert, und was ist daraus geworden? Ich höre immer noch die Stimmen, die mir in Indonesien sagten: Wenn Du mal nach Afrika gehst, wirst Du Dein blaues Wunder erleben! Nichts geht auf diesem Kontinent!

Nun sitze ich hier und muß innerlich lachen.

Wir sind ohne Visagebühren in dieses Land eingereist. Wir müssen uns nicht monatlich polizeilich registrieren lassen. Die Grünhelme besitzen einen offiziellen Status in diesem Land, mit einer Registrierung und einer Steuernummer, die es uns ermöglicht, alle von den Spendengeldern bezahlten Steuern wieder zurückzuholen!

Das für unser Projekt benötigte Land wurde uns von dem örtlichen Governor zugesprochen. Und alle diese bürokratischen Vorgänge haben wir innerhalb von zwei Wochen erledigen können.

Wie war das in Indonesien, wie in Pakistan, wie in Afghanistan, wo ja jeweils ein eigener Nationaler Notstand ausgerufen wurde?

Liegt das daran, dass in diesem Land Ruanda nicht die UN die „Koordination der Humanitären Helfer übernommen hat? Etwas Wahrheit steckt wohl dahinter, denn die UNO hat sich beim Völkermord 1994 auch nicht wirklich um dieses Land gekümmert.

Seit dem 28. Februar haben die wirklichen Arbeiten im Distrikt Bugesera im Ort Nyamata begonnen. Unser Grünhelm-Architekt Timon Weingärtner hat geplant und gezeichnet wie ein Weltmeister und nun steht der Masterplan für das Gelände unseres Ausbildungszentrums. Die drei Ausbildungshallen sind bis in das Detail geplant und nun kann die Ausführung starten.

Wir haben 15 Arbeiter eingestellt. Um mich politisch korrekt auszudrücken: 15 Arbeiterinnen und Arbeiter. Denn unter den 15 sind auch zwei Frauen! In Ruanda gibt es ein Gesetz, dass bei jedem Projekt auch FRAUEN die Chance auf Arbeit bekommen sollen. So haben wir jetzt die Frauen Dacnille und Frolance in unserem Team. Wir waren zwar anfangs skeptisch. Aber unser deutsches Macho-Denken wurde auch in diesem Punkt eines besseren belehrt. Die Frauen arbeiten fleißiger als alle anderen und treiben auch schon mal ihre Kollegen mit an!

Anfang nächster Woche, 5. März werden die Fundamente ausgehoben sein. Dann können die Betonarbeiten beginnen und dann werden wir weitere 15 Arbeiter/Innen einstellen.

Wir müssen in diesem Tempo arbeiten, denn wir haben das ehrgeizige Ziel, dieses Zentrum für 100 jugendliche Auszubildende im September 2007 zu eröffnen. Zwei Ausbildungsbereiche stehen fest. Es werden Elektriker und Solartechniker in zwei Lehrjahren ausgebildet.

Den dritten Ausbildungsbereich werden wir noch in den nächsten Wochen festlegen. Es ist wichtig, den vielen Jugendlichen eine Ausbildung zu geben, mit der sie später den Unterhalt für ihr Leben und ihre Familie verdienen zu können.

In den zwei bisher ausgewählten Bereichen gibt es genug Zukunft. Besonders die Solartechnik ist für dieses Land RUANDA eine große Chance. Die ländliche Region ist bisher kaum an das völlig überlastete Elektrizitäts-Netz angeschlossen.

Somit sind sogenannte Solar-Insellösungen für die Zukunft der Dörfer geplant. Wenn wir es schaffen, hier eine produzierende Solarzellen Manufaktur anzusiedeln, für die wir diese Jugendlichen ausbilden wollen, hat Ruanda eine große Chance. Dieses faszinierende Land, mit seiner schrecklichen Zeitgeschichte, deren Wunden man noch in vielen Gesichtern und an vielen Körpern sieht, verdient diese Chance für eine Zukunft.

Timon Weingärtner hat die Bauüberwachung übernommen. Er macht das zusammen mit den beiden Jugendlichen Jacques und Benoit, die uns von dem befreundeten Arzt Dr. Alfred Jahn empfohlen wurden; sie waren Straßenkinder, die er aufgenommen und denen er eine Schulbildung ermöglicht hat. Die zwei arbeiten als unsere Assistenten und Dolmetscher, denn in der ländlichen Region außerhalb Kigalis sprechen die Bewohner selten Französisch, geschweige englisch. Sie sprechen die gemeinsame Sprache aller Ruander, das sog. Kinyarwanda. Wir haben für uns vier ein kleines Haus angemietet, 100 Meter von der Baustelle entfernt, in dem Dorf, das den schönen Namen Nelson Mandela Peace Village trägt.

Was die Kosten angeht: es ist hier alles sehr teuer. Alles außer Maniok und den Arbeitskräften ist teurer als in Deutschland. Die Bohrmaschinen kosten das Doppelte wie in Deutschland. Der Rohbau einer Halle wird wohl bei 25.000 Euro liegen. Also 75.000 Euro für die Hallen, ca. 15. bis 20.000 für das Wohnhaus. Und dann noch 30.000 Euro für die Schule. Das sind erst die ersten Schätzungen. Also, das heißt: Wir brauchen die guten Spenden unserer Freunde, Gönner, Mitkämpfer in Deutschland. Die Konto Nummer ist bekannt.

Wir brauchen unbedingt noch einen sehr Praxis erfahrenen Bauingenieur auf der Baustelle. Auch einen, der die Bauzeichnungen in Zukunft machen kann und die Arbeiten auf dem Gelände anleiten und kontrollieren kann.

Wir hoffen sehr, dass die Firma Citysolar, mit der wir diese Planung in Bad Kreuznach mehrfach durchgesprochen haben, uns bei dem Aufbau einer 150 KW Solaranlage kräftig unterstützt. Und wir setzen darauf, dass das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit dieser Firma entsprechend mit einer PPP (Public Private Partnership) Subvention unter die Arme greift, damit es zum ersten Mal in diesem wichtigen Land Afrikas etwas investiert.

Wir zwei Grünhelme sind trotz der drückenden Hitze und des an manchen Orten verhängten Rauchverbots guter Dinge und Hoffnung und freuen uns auf das Richtfest Mitte Juni 2007!

(veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von www.gruenhelme.de)

Artikel vom 13.03.2007 (Thomas Just z.Zt. Ruanda Bugesera Nyamata)


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Hauptstadt: Kigali
Unabängigkeit: seit 01.07.1962
Klima: tropisches Hochlandklima
Amtssprache: Englisch, Französisch, Kinyarwanda
Größe: 26.339 km²
Einwohnerzahl: ca. 8.900.000
Währung: Ruanda-Franc (100 Centimes)
Telefonvorwahl: +250
KFZ-Kennzeichen: RWA
Internet-TLD: .rw
 
 
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