Kultur » Artikel Berlin, 05.09.2010   


Gott, Aids,Afrika - Morallehre der katholischen Kirche in Afrika

In seinem Buch "Gott, Aids, Afrika", das Stefan Hippler mit dem Journalisten Bartholomäus Grill verfasste, fordert Hippler ein Überdenken von Teilen der offiziellen Moraltheologie der römisch-katholischen Kirche. Zusammen haben sie eine Streitschrift verfasst - wider der Sexualfeindlichkeit und Ignoranz der katholischen Kirche angesichts des afrikanischen Massensterbens. Aber auch die südafrikanische Politik und die Wissenschaft erfahren eine kritische Analyse.

 
1986 wurde Stefan Hippler, Jahrgang 1960, in Trier zum Priester geweiht. Er kümmerte sich neben der Gemeindearbeit in Deutschland auch um Flüchtlinge am Frankfurter Flughafen. Seit 1997 ist er Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Kapstadt. Hier baute er ab 1999 "Hope Cape Town" auf.

Als Vorsitzender des Projekts kämpft er mit außergewöhnlichem Engagement gegen HIV/Aids. Dafür geht der Priester keinem Konflikt aus dem Weg, auch nicht dem mit seiner Amtskirche. So beispielhaft sich katholische Priester und Ordensschwestern um todkranke Menschen kümmerten, so wortkarg und ausweichend würden sie reagieren, wenn man sie nach den Ursachen von Aids fragt oder der Prävention mit Kondomen.

Bartholomäus Grill, 1954 geboren, berichtete 1993 - 2007 als Zeit-Korrespondent aus Südafrika, seit 2000 als Leiter des Afrika-Büros der Zeit in Kapstadt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2005 der Medienpreis der Deutschen Aids-Stiftung, 2006 der Henry-Nannen-Preis für die beste Reportage und der Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis.

Das Buch, das die Autoren als Streitschrift verstehen, haben sie an Benedikt XVI. gesandt. Denn nur der Papst könne eine grundsätzliche Wende in der kirchlichen HIV/Aids-Politik einleiten.

Auch die AIDS-Politik der südafrikanischen Regierung kritisieren die beiden Autoren als skandalös. Während einige Politiker das Problem verschweigen oder verleugnen, verbreiten andere die Mähr, dass "weiße Interessengruppen" die Afrikaner mit ihrer "Giftmedizin" erniedrigen, ausbeuten und töten wollten. Auch die unrühmliche Rolle einiger Wissenschaftler sprechen die Autoren an.

Insgesamt legt der Verlag Kiepennheuer und Witsch mit dem Buch von Hippler und Grill ein aufrüttelndes, brisantes und kenntnisreich geschriebenes Werk vor.

Artikel vom 18.03.2008 (SEC)


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