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Sanitärer Notstand abseits der Nobelviertel Accra's
In Ghanas Hauptstadt Accra ist abseits moderner Geschäftsviertel und gepflegter Wohngegenden nichts von dem Glanz und Glamour zu spüren, mit dem sich die Drei-Millionen-Metropole am Atlantik gerne schmückt. Die Strände des westafrikanischen Wirtschafts- und Handelszentrums sind zur Kloake verkommen, weil die Menschen in den armen Vierteln ohne sanitäre Grundversorgung auskommen müssen.
Die Stadt kann den enormen Zuwachs der Bevölkerung, die sich seit Beginn des Jahrhunderts fast verdoppelt hat, planerisch nicht verkraften. Sie hat die Abfallentsorgung privaten Unternehmen überlassen, die sich ihre Dienste teuer bezahlen lassen. Zudem verzichten trotz bestehender Vorschriften viele Bauherren aus Kostengründen darauf, Wohnhäuser mit Toiletten auszustatten. Stattdessen muss der Strand herhalten. Er ist zur öffentlichen Bedürfnisanstalt verkommen.
Als kürzlich eine Tageszeitung ausführlich über den Zustand der hauptstädtischen Badestrände berichtete, blieb die erwartete allgemeine Empörung aus. Doch Pastor Mensa Otabil, einer der bekanntesten Prediger im Land, schwieg nicht. "Ghana ist das einzige Land der Welt, dessen Strände zu Toiletten geworden sind. Anstatt aus den Strandgegenden lebenswerte Wohnviertel zu machen, haben wir die Strände verkommen lassen", empörte sich der Geistliche.
Betroffen sind die Strände der Vorstädte Labadi, Osu und Teshie. "Hier sieht es traurig aus", klagt Nii Allotey. Er lebt in Labadi und räumt ein, auch ihm bleibe nichts anderes übrig, als den Morgen mit einem Gang zum Strand zu beginnen, um hier seine Notdurft zu verrichten.
Den Bauherren sind Toiletten zu teuer
"Die Hauptstadt ist zu einem großen Handelszentrum geworden. Hausbesitzer denken nur an ihren Profit und nehmen keine Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Mieter. Auch wir selbst sind daran nicht ganz unschuldig. Wir sollten darauf bestehen, das zu bekommen, was uns zusteht", meint er.
Für die großen sanitären Defizite macht er die Stadtverwaltung (AMA) verantwortlich. "Sie kümmert sich nicht darum und lässt zu, dass die Bauherren Häuser ohne Toiletten bauen", kritisiert Allotey. Das gilt nicht nur für die Viertel in Strandnähe. Auch in Nima, einem weit von der Küste entfernt gelegenen Vorstadtslum, gibt es in den meisten Häusern keine Toiletten.
Numo Blafo, der Pressesprecher der Stadt, will die Verschmutzung der Strände nicht der Untätigkeit der Behörden anlasten: "Wir haben eine funktionierende Kläranlage, doch die privaten Firmen, die in die Abfallbeseitigung eingestiegen sind, arbeiten nicht so, wie man es von ihnen erwartet."
Ein Hauptgrund für die Mängel der sanitären Grundversorgung in der ghanaischen Hauptstadt liegt jedoch darin, dass die Behörden vor allem beim rasanten Ausbau der Wohngegenden für Kleinverdiener versäumen, auf Einhaltung der Planungsvorschriften zu bestehen und deren Durchführung zu kontrollieren. So etwa wurden die öffentlichen Toiletten, die es in Osu gab, ersatzlos abgerissen, weil sie neuen Geschäften im Weg waren.
Sechs Millionen Einwohner bis 2015
Ghanas Statistikbehörde rechnet damit, dass Accra, dessen Bevölkerung in den vergangenen sieben Jahren von 1,6 Millionen auf rund drei Millionen Menschen angewachsen ist, bis 2015 sechs Millionen Einwohner haben wird.
"Die Leute, die sich jetzt beschweren, haben sich beim Einzug in ihre neuen Wohnungen nicht darum gekümmert, ob es dort sanitäre Einrichtungen wie Toiletten oder Badezimmer gab", kritisiert AMA-Sprecher Blafo.
Inzwischen bemühe sich die Stadt jedoch um die Reinhaltung der Strände, versichert er. "Wir haben eine Verordnung erlassen, die es bei Strafe verbietet, den Strand als Toilette zu benutzen." Seit 2005 kümmere man sich auch ernsthaft um die Abfallentsorgung. "An der Korle-Lagune ist eine Kläranlage in Betrieb. Von hier aus werden die gereinigten Abwässer ins Meer geleitet."
Tatsächlich ist die Umgebung der Kläranlage nicht mehr vom Gestank menschlicher Exkremente verpestet. "Früher wäre ich hier sicher nicht stehen geblieben, um mich mit Ihnen zu unterhalten", sagt Mariam Ablor, die in der Nähe der Korle-Lagune lebt, in einem Gespräch mit IPS. "Wir mussten wir uns die Nase zugehalten, wenn hier vorbeikamen."
Artikel vom 27.01.2008 (Francis Kokutse)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Republik Ghana
Hauptstadt: Accra
Unabängigkeit: seit 06.03.1957
Klima: tropisch feuchtheiß
Amtssprache: Englisch
Größe: 238.537 km²
Einwohnerzahl: ca. 20.500.000
Währung: New Cedi (100 Pesewa)
Telefonvorwahl: +233
KFZ-Kennzeichen: GH
Internet-TLD: .gh
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