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UN Strategieplan setzt auf Süd-Süd Kooperation
Die Kooperation unter Entwicklungs- und Schwellenländern leistet einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung und zur Verwirklichung der UN-Millenniumsziele zur Armutsbekämpfung. Sie bildet deshalb den Schwerpunkt des UNDP-Strategieplans für den Zeitraum 2008 bis 2011.
Die Süd-Süd-Kooperation des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) verfolgt das Ziel, die verfügbaren Kenntnisse und Ressourcen zu bündeln, um Entwicklungsländer beim Erreichen ihrer Entwicklungsziele zu unterstützen, sagte UNDP-Administrator Kemal Dervis in einem Exklusivinterview mit IPS.
Viele Entwicklungsländer spielten heute eine enorm wichtige Rolle bei der Versorgung mit Gütern, Finanzmitteln und Technologie. Es sei daher nur natürlich, dass sie ihren Beitrag zur internationalen Entwicklung und insbesondere zur Verwirklichung der Millenniumsziele auch dadurch leisten, indem sie Ideen und Ressourcen mit den Ländern der Südhälfte teilen, betonte Dervis.
Wirtschaft der Südhälfte wächst schneller
Zwischen 2001 und 2007 wuchs die Wirtschaft der Entwicklungsländer mehr als doppelt so schnell wie die der Industrieländer. Neben Wachstumsriesen wie China oder Indien verzeichnete auch eine Vielzahl anderer Staaten enorme Wachstumszahlen in diesem Zeitraum.
Im vergangenen Jahr konnten 102 von 160 Ländern ihre Pro-Kopf-Erzeugung um drei oder sogar mehr Prozentpunkte steigern. 70 Prozent dieser Erfolgsstorys spielten sich in Entwicklungsländern ab. Entwicklungs- und Schwellenländer verbuchen mittlerweile über 40 Prozent des Welthandels, im Jahr 2000 waren es noch 35 Prozent. Nach Angaben der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) geht rund die Hälfte der Exporte aus Entwicklungsländern in andere Entwicklungsländer.
Wie Dervis weiter berichtet, sind Entwicklungs- und Schwellenländer inzwischen auch interessante Investitionsstandorte. So seien ausländische Direktinvestitionen in diese Wirtschaften von 147 Milliarden Dollar im Jahr 1990 auf über eine Trillion Dollar im Jahr 2004 gestiegen.
Während sich die meisten Süd-Süd-Investitionen bisher auf die entsprechende Region beschränkten, zeichnet sich auch hier eine Trendwende ab: Im Jahr 2004 etwa tätigte China rund die Hälfte seiner Auslandsinvestitionen in Lateinamerika, malaysische Unternehmen investieren in Südafrika, brasilianische Firmen engagieren sich in Angola und Nigeria.
Wirtschaftliche und soziale Entwicklung
Die Süd-Süd-Kooperation begünstigt nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die soziale und humanitäre Entwicklung der betroffenen Länder, ist der UNDP-Administrator überzeugt. "Bei der Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids etwa arbeiten die brasilianischen Behörden mit denen anderer Entwicklungsländer zusammen", führt Dervis als Beispiel an.
"Das UNDP hat ein Süd-Süd-Kooperationsprogramm ins Leben gerufen, wodurch es Brasilien ermöglicht wurde, seine Erfahrungen auf diesem Gebiet mit Botswana zu teilen. Inzwischen unterstützt Brasilien elf weitere Länder im Kampf gegen AIDS, darunter Osttimor, Guinea-Bissau, Nicaragua und die Kapverden. Solche Programme können dabei helfen, dass am Ende alle Millenniumsziele erreicht werden."
Die auch als MDGs bekannten Ziele, die im Anschluss an den New Yorker UN-Millenniumsgipfel im Jahr 2000 formuliert wurden, sehen bis 2015 die Halbierung von Armut und Hunger vor, Grundschulbildung für alle, die Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frau, die Senkung der Kindersterblichkeit, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern, die Bekämpfung schwerer Krankheiten wie HIV/Aids und Malaria, die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit und den Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft zwischen den Ländern des Nordens und Südens.
Auch andere UN-Organisationen, wie die Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) und das UN-Umweltprogramm (UNEP) räumen der Kooperation zwischen den Ländern des Südens ebenfalls einen größeren Raum in ihrer Projekten und Haushaltsplänen ab 2008 ein. Die UN-Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) richtete im vergangenen Jahr in Indien und Brasilien das erste Zentrum für Süd-Süd-Industriekooperation ein. Weitere solche Zentren sind in China, Ägypten und Südafrika geplant.
Ein besonderes Interesse verdient laut Dervis die Zusammenarbeit zwischen den Staaten mit mittleren Einkommen (MICs) und den ärmsten Ländern der Welt (LDCs). Auch hier gebe es eine Reihe von Erfolgen zu verzeichnen, weiß der UN-Vertreter zu berichten. Als Beispiel nennt er eine Gemeinschaftsinitiative von Thailand und Malaysia für den Aufbau von Infrastruktur.
Darüber hinaus leistet Ägypten humanitäre Hilfe für mindestens 30 Staaten in Afrika. Auch China, Indien und Kuba unterstützen weniger entwickelte Länder, etwa durch die Lieferung lebensnotwendiger Medikamente. Dazu meinte Dervis: "Es geht darum, die verfügbaren Sachkenntnisse und Ressourcen zu bündeln, um die Entwicklungsländer bei der Verwirklichung ihrer Entwicklungsziele zu unterstützen und dabei ein möglichst großes Repertoire an Werkzeugen zu nutzen." (ips)
Artikel vom 11.03.2008 (Mithre J. Sandrasagra)
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