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Pestizideinsatz in Cote D´Ivoire - Regierung setzt jetzt auf Ausbildung
Alimata Ouedraogo aus Abidjan hatte vier Fehlgeburten. Minata Soros Kind kam mit einer Missbildung zur Welt. Die Bäuerin aus dem Norden von Côte d'Ivoire wird zudem seit Jahren von schweren Kopfschmerzen gepeinigt. Makoura Tuo aus dem zentralivorischen Bouaké wurde bei der Arbeit auf ihrem Salatfeld ohnmächtig. Alle drei Frauen leiden unter den Folgen eines unsachgemäßen Pestizideinsatzes.
Der bäuerlichen Bevölkerung des westafrikanischen Landes fehlen Informationen über giftige Agrarchemikalien. Viele Landwirtschaftszentren, die früher dieses Fachwissen vermittelten, stellten während des Bürgerkriegs von 2002 bis 2007 die Arbeit ein. Viele Depots, die die von der Regierung zugelassenen Schädlingsbekämpfungsmittel an die Bauern abgaben, sind leer. Lokale Händler nutzen die Versorgungsengpässe und verkaufen auch Waren aus dubiosen Quellen.
Soro, die seit 1993 im Dorf Kassirimé in der Nähe von Korhogo im Norden Gemüse anbaut, hat seit 2003 mit unerträglichen Kopfschmerzen zu tun, wenn sie die Pflanzen mit Pestiziden behandelt. "Der Händler, der mir die Agrarchemikalien verkaufte, empfahl mir, viel Milch zu trinken. Ich habe seinen Rat befolgt, doch die Schmerzen wurden nicht besser."
Tuo griff 2006 zu hochgiftigen Pflanzenschutzmittel, weil die Lager ihrer bisherigen Lieferanten wegen des Bürgerkriegs leer blieben. "Beim Besprengen der Pflanzen verlor ich das Bewusstsein und kam erst wieder in einem Krankenhausbett zu mir", berichtete sie IPS. "Doch nach dieser ersten Vergiftung machte ich weiter, meine Familie lebt schließlich von meiner Arbeit. Erst als mich ein Arzt vor einem Jahr warnte, dass ich mein Leben riskiere, hörte ich damit auf. Aber das Atmen fällt mir immer noch schwer", fügte sie hinzu.
Auch Baumwollpflanzer betroffen
Auch viele Baumwollpflanzer setzen in Côte d'Ivoire seit Jahren durch den Umgang mit Pestiziden ihre Gesundheit aufs Spiel. Der 40-jährige Nayala Sekongo baut in Sarahla in der Landesmitte Bauwolle an. Drei Mitglieder seiner Kooperative seien zwischen 2005 und 2007 an den Folgen der falschen Anwendung von Pestiziden gestorben, sagte er IPS.
"Die Landwirtschaftsberater, die im Auftrag der Baumwollunternehmen beim richtigen Einsatz von Pestiziden zur Hand gehen sollten, haben sich bei Ausbruch des Krieges im Norden nach Süden abgesetzt", berichtete Fatogoma Soro. Er leitet die Baumwollgenossenschaft Chigata in Nidion im Norden von Côte d'Ivoire.
Einheimische Mediziner bestätigen die Erfahrungen der Bauern. Die Fachärzte für Innere Medizin François N'klo Hala und Martin Kehé vom Nationalen Forschungszentrum für Agrarwissenschaften (CNRA) in Abidjan haben festgestellt, dass 65 Prozent der Krankheiten, an denen Gemüsebauern, Baumwollpflanzer und Mangofarmer sowie Verbraucher im Land leiden, mit Pestiziden zu tun haben.
Nach Angaben von N'klo ist diese Zahl auf 75 Prozent angestiegen, seitdem im von den Ex-Rebellen der 'Neuen Kräfte' (FN) kontrollierten Norden staatliche und private landwirtschaftliche Informationszentren geschlossen wurden. Nur wenige dieser technischen Anlaufstellen arbeiten inzwischen wieder.
"Die betroffenen Bauern, aber auch diejenigen, die ihr Gemüse und ihre Obst verzehren, leiden an chronischen Vergiftungen, Störungen der Verdauungs- und Atemwege und an Hautkrankheiten, Sie haben ein erhöhtes Risiko, an Leukämie, an einem Gehirntumor oder an Lungekrebs zu erkranken. Frauen riskieren mehr Fehlgeburten und Missbildungen beim Nachwuchs", zählte N'klo auf.
Mit Informationskampagnen müsse man die Menschen in ländlichen Gebieten auf die gesundheitlichen Gefahren von Pestiziden aufmerksam machen, rät sein Fachkollege Kehé. Die Bauern müssten sich bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln an die vorgeschriebene Dosierung halten oder sich den richtigen Umgang mit den giftigen Chemikalien erklären lassen.
Mit der Ächtung des Weltmarkts drohen
"Man sollte den ivorischen Bauern klar machen, dass der Weltmarkt ihre Erzeugnisse zurückweist, wenn sie nicht die vom Staat vorgeschriebene Agrarchemie verwenden", betonte André Konan, ein Agrartechniker im Dienst des Landwirtschaftsministeriums. Vor allem aber müsste das Landwirtschaftsministerium dafür sorgen, dass chemische Pflanzenschutzmittel nur in der vorgeschriebenen Jahreszeit ausgebracht und nicht in Wohnhäusern gelagert werden dürfen und alle, die auf dem Feld mit Pestiziden arbeiten, sich anschließend gründlich waschen.
Im Süden des westafrikanischen Landes gibt es bereits erste Informationsveranstaltungen. Nach Angaben des Agrarministeriums soll die Aufklärungskampagne im Norden fortgesetzt werden, sobald der zwischen Nord und Süd verlaufende Grenzstreifen, in dem UN-Blauhelme operieren, wieder von der Regierung kontrolliert wird.
Auch erste Strafmaßnahmen gegen Verkäufer und Käufer von Pestiziden, die nicht staatlich genehmigt sind, wurden angekündigt. Den Händlern droht eine Anklage, illegal gehandelte Chemikalien sollen beschlagnahmt und die Ernten der betroffenen Bauern vernichtet werden.
Artikel vom 15.04.2008 (IPS/Aly Ouattara)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Côte d'Ivoire
Hauptstadt: Yamoussoukro
Unabängigkeit: seit 07.08.1960
Klima: feuchtes Tropenklima
Amtssprache: Französisch
Größe: 322.400 km²
Einwohnerzahl: ca. 18.000.000
Währung: CFA-Franc (100 Centimes)
Telefonvorwahl: +225
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