Wirtschaft » Artikel Berlin, 10.09.2010   


Initiative Globales Dorf - Gemeinschaftsprogramm für sauberes Wasser

Wasser gibt es in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) reichlich, vor allem wenn es wie jetzt zur Regenzeit in Sturzbächen vom Himmel rauscht. Doch nach Schätzungen der Vereinten Nationen hat nicht einmal die Hälfte der rund 66 Millionen Kongolesen Zugang zu sauberem Wasser. Auch fehlen sanitäre Anlagen. Die Initiative Village Assaini (Gesundes Dorf') will nun Abhilfe schaffen.

Im Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung 2008 sollen im Rahmen des Projektes mehr als 650 Dörfer in ländlichen Gebieten und am Rande urbaner Zentren sanitär aufgerüstet werden. Eine umfassende, auch vom Fernsehen unterstütze Aufklärungskampagne begleitet das Vorhaben, dass das Weltkinderhilfswerk UNICEF gemeinsam mit der kongolesischen Regierung durchführt.

Verunreinigtes Trinkwasser kostet in dem zentralafrikanischen Land weit mehr Menschen Gesundheit und Leben als bewaffnete Überfälle durch Rebellen und Soldaten, die sich vor allem im Osten der DRC auch nach dem Ende des mehrjährigen Bürgerkriegs weiterhin bekämpfen. Der Konflikt hat der Hilfsorganisation 'International Rescue Committee' (IRC) zufolge mehr als fünf Millionen Menschen das Leben gekostet.

Marode sanitäre Infrastruktur

Die Versorgung der Bevölkerung mit unbedenklichem Trinkwasser bleibt eines der größten Probleme in der Demokratischen Republik Kongo. Schon der 30 Jahre lang regierende Diktator Mobutu Sese-Seko (1965-1997) hatte die Entwicklung der Infrastruktur in dem Land von der Größe Westeuropas schleifen lassen.

Nach dem sich anschließenden zehnjährigen Bürgerkrieg geht die Regierung von Staatschef Joseph Kabila jetzt daran, mit internationaler Hilfe die Trinkwasserversorgung zu verbessern und in den Armenvierteln am Rande der Städte sowie auf dem Land eine minimale Sanitärversorgung aufzubauen.

Eine 2001 im UN-Auftrag durchgeführte Untersuchung der demografischen und gesundheitlichen Verhältnisse im Kongo hatte ergeben, dass sich 60 Prozent der Landbevölkerung aus natürlichen Brunnen mit Trinkwasser versorgten, von denen nur 30 Prozent vor einer möglichen Verseuchung durch Exkremente geschützt waren. Selbst in der Hauptstadt Kinshasa mit ihren mehr als acht Millionen Menschen fehlt ein zentrales Abwassersystem.

In einem Bericht ('Mortality in the Democratic Republic of Congo: An Ongoing Crisis'), den das IRC gemeinsam mit dem Burnet-Institut erarbeitet und kürzlich veröffentlicht hatte, wurde festgestellt: "Bei nicht einmal einem Prozent der Todesfälle handelt es sich um Opfer von Gewalt."

Die meisten Menschen seien an Unterernährung, an häufig durch verunreinigtes Trinkwasser ausgelösten Infektionskrankheiten und an den Folgen mangelhafter medizinischer Schwangerschafts- und Geburtshilfe gestorben, so die Erkenntnisse von IRC und Burnet-Institut, eine im australischen Melbourne ansässige Organisation für medizinische Forschung und öffentliche Gesundheit.

"In der DRC erkranken die Menschen meistens an verunreinigtem Trinkwasser, weil im Haus und in der Umgebung die hygienischen Verhältnisse unzureichend sind", erklärte der stellvertretende Repräsentant für UNICEF in der Demokratischen Republik Kongo, Steven Lauwerier.

UNICEF-Mitarbeiter Rinko Kinoshita erläuterte, wie wichtig es ist, im Rahmen der Initiative 'Village Assaini' nicht nur für die benötigten sanitären Einrichtungen zu sorgen, sondern das Projekt mit einer umfassenden Aufklärung über Hygiene zu begleiten. "Die Durchfallerkrankungen werden nicht weniger, solange man zwar für sauberes Wasser sorgt, den Menschen aber nicht klar macht, wie wichtig es beispielsweise ist, sich gründlich die Hände zu waschen."

Lokale Eigeninitiative gefragt

Das Projekt 'Gesundes Dorf' verlangt die aktive Beteiligung der Dorfbewohner, die sich darum bewerben. Gemeinsam bemühen sich Regierung, internationale Agenturen und die Gemeinden selbst um das Ziel, 80 Prozent der Haushalte mit ordentlichen Toiletten zu versorgen und 70 Prozent der Einwohner Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verschaffen. Wo das dazu benötigte Material wie etwa Zement fehlt wird es geliefert. Für Wartung und Schutz der Wasserquellen sind die Gemeinden verantwortlich.

Unterstützt wird die Initiative von der US-amerikanischen Organisation 'Population Services International' (PSI). Gegen einen geringen Preis stellt sie Mittel zur Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser zur Verfügung. PUR zum Beispiel filtert Schmutz und Darmwürmer aus dem Wasser und verringert damit das Risiko von Durchfallkrankheiten. Das Desinfektionsmittel 'Aquatabs' (Natriumdihydroisozyanat) dient der Abwehr von Cholera und Typhus.

"Diese Mittel senken die Kosten für sauberes Trinkwasser und lassen sich leichter transportieren als das klassische Desinfektionsmittel Chlor", erklärte Theresa Gruber-Tapsoba, PSI-Vertreterin im Kongo. Ein Beutel Aquatabs reicht aus, um 20 Liter Wasser zu desinfizieren. Mit der gleichen Menge 'PUR' erhält man 70 Liter sauberes Wasser. (ips)

Artikel vom 06.05.2008 (Michael Deibert)


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Demokratische Republik Kongo



Hauptstadt: Kinshasa
Unabängigkeit: seit 30.06.1960
Klima: Äquatorialklima
Amtssprache: Französisch
Größe: 2.344.858 km²
Einwohnerzahl: ca. 60.500.000
Währung: Kongo-Franc (100 Centimes)
Telefonvorwahl: +243
KFZ-Kennzeichen: CGO
Internet-TLD: .cd
 
 
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