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Interview mit der Sacharow Preisträgerin Hauwa Ibrahim
Afrikas Probleme solle man Schritt für Schritt angehen. Europa könne dabei eine Rolle spielen – praktisch, politisch, wirtschaftlich und als Inspiration. Politik und Wirtschaft müssten in den Beziehungen zwischen beiden Kontinenten die Würde der Menschen in den Mittelpunkt stellen, so die nigerianische Sacharow-Preisträgerin des Jahres 2005 Hauwa Ibrahim.
Junge Afrikaner wollen zu Frieden, Freiheit und Menschenwürde beitragen. Sie wollen die Gelegenheit haben, ihre Kreativität zu leben. Sie wollen die Chance, nicht darüber nachdenken zu müssen, was sie morgen essen werden und nicht eingeschränkt werden durch Dinge wie Armut. Sie wollen die Möglichkeit haben, zu positiven Veränderungen in der Gesellschaft beizutragen, für ihre Länder und für die Welt. Was kann die EU und das Europäische Parlament beitragen? Es ist eine große Ehre, dass das Europaparlament einen Tag wie den Internationalen Tag für die Afrikanische Jugend begeht. Das ist ein wichtiges Statement: „Wir können Euch eine Stimme geben, eine Chance. Wir bringen Euch hier her und dann könnt Ihr zeigen, was Ihr anders macht und wie Ihr zuhause bei Euch einen Unterschied macht.“ Wir hoffen, dass die EU und insbesondere das Europäische Parlament Afrika nicht als eine Einheit betrachtet, sondern als riesigen Kontinent. Wenn sie eine Einheit mit einem riesigen Problem sehe, dann sollten sie es Stück für Stück angehen, ein Problem nach dem anderen lösen. Ein Problem, mit dem wir in meinem Land (Nigeria) konfrontiert sind, ist, dass die Politik der Regierung bisher nicht konsequent war. Die EU und das Parlament können helfen; sie sind Institutionen, die Politik entwickeln. Ich schlage vor, dass die EU sich die Zeit nimmt, den Kontinent einmal pro Quartal zu besuchen, um einen Sinn für die afrikanische Realität zu bekommen. Wir haben eine absolut unzureichende Infrastruktur. Zum Beispiel gibt es Schulen, in die mal 500 oder 600 Schüler gingen und wo es jetzt mehr als 1.000 Schüler gibt, während die Einrichtung nicht erweitert wurde. Das wirkt sich auf die Motivation der Lehrer und der Schüler aus. Die EU könnte Lehrer einladen, um zu sehen wie Klassenräume, Bücher und Schullabore hier aussehen, dann können sie zuhause unsere Materialien verbessern, oder sie könnten weitergebildet werden etwa in Mathematik oder Naturwissenschaften. Die EU kann uns den Weg weisen. Ist Europa für afrikanische Jugendliche ein Vorbild? Eine Hoffnung? Absolut. Sie haben als Region so manches durchlebt. Die Art, wie Sie Probleme überwunden haben, was Sie erreicht haben, wie Sie in die Zukunft blicken können, davon könnten wir viel lernen. Dieses wunderbare Parlament hier ist faszinierend. Wie haben Sie das erreicht? Wir werden es womöglich nicht erreichen, aber vielleicht die neue Generation. Welchen Unterschied hat die Auszeichnung mit dem Sacharowpreis für Sie in Nigeria gemacht? Es hat einen großen, sehr großen Unterschied gemacht. Es hat mir eine vernehmbarere Stimme verliehen, Glaubwürdigkeit und vor allem weltweite Aufmerksamkeit und Anerkennung. Da Bildung und Erziehung meine Leidenschaft sind, haben wir mit dem Preisgeld eine Stiftung gegen den Analphabetismus gegründet. Und die Stiftungsmittel sind noch gewachsen, weil viele Leute dafür gespendet haben. Mit den Zinsen von 5% konnten wir 32 Kinder wieder zur Schule schicken – zur Grundschule oder auch auf eine Uni. Kinder, die kein Geld haben zur Schule zu gehen. Während ich an der Abuja Universität Recht gelehrt habe, bemerkte ich, dass es für 3.000 Studenten nur 200 verwendbare Bücher gab. Die Regierung wollte uns deswegen die Anerkennung entziehen, weil die Standards nicht eingehalten wurden. Ungefähr zu jener Zeit wurde mir der Sacharow-Preis verliehen. Ich wurde nach Minnesota eingeladen, dort eine Rede zu halten und da habe ich auch von den fehlenden Büchern gesprochen – sie haben sich entschieden uns 8.000 neue Bücher zu geben. Ich habe mit einem Teil des Preisgeldes die Frachtkosten bezahlt. Ich kann also sagen, dass das Europaparlament die Zulassung der Abuja Universität gerettet hat. Wenn Sie an die Einfuhr von Ressourcen aus Afrika denken, oder an die Überfischung der afrikanischen Küsten, Zuwanderung aus Afrika... was sollte Europa tun, um Afrika zu helfen? Es gibt politische Fragen und es gibt wirtschaftliche. Im Mittelpunkt sollten die Grund- und Menschenrechte stehen. Wenn Sie in unberührtem Land in Afrika etwas ernten wollen, oder wenn Sie Fisch fangen, was geben Sie den Afrikanern im Gegenzug? Wollen Sie allen verfügbaren Fisch nehmen und nichts für sie übrig lassen? Ist dies das schlussendliche Ziel? Ich denke, wir müssen die Wirtschaft mit Menschlichkeit zähmen. Wir sollten die Globalisierung mit menschlicher Würde zügeln. Was wir wollen, ist eine Welt, die frei ist von Terror, Sicherheit. Und wir wollen nicht durch Politik das Gegenteil davon stiften. Ob Sie Holz nehmen oder Fisch, denken Sie daran, internationale Politik durch Menschlichkeit, Würde und den Respekt für menschliches Leben zu zähmen. Zur Person Die Menschenrechtsanwältin Hauwa Ibrahim (Jahrgang 1968) wurde 2005 mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlament ausgezeichnet. Das Europäische Parlament würdigte damit ihr Engagement gegen grausame und unmenschliche Strafen und ihre Arbeit zur Verteidigung von Menschen, die in ihrer nigerianischen Heimat nach islamischem Scharia-Gesetzen verurteilt wurden, insbesondere von Frauen, die des Ehebruchs beschuldigt und zum Tod durch Steinigung verurteilt wurden. Artikel vom 16.06.2008 (PM)
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Bundesrepublik Nigeria
Hauptstadt: Abuja Unabängigkeit: seit 01.10.1960 Klima: tropisch bis trocken und heiß Amtssprache: Englisch Größe: 923.768 km² Einwohnerzahl: ca. 140.000.000 Währung: Naira (100 Kobo) Telefonvorwahl: +234 KFZ-Kennzeichen: WAN Internet-TLD: .ng Zeit: Rohstoffpreise - Die heimlichen Herrscher (Westafrika) +++ Zeit: Senegalesen haben Tricksereien ihres Präsidenten satt +++ NZZ: Witze über Bärte verboten - Haft für ägyptischen Komiker wegen Beleidigung der Religion +++ taz: Flüchtlinge aus Afrika - Tod auf hoher See (Kommentar) +++ taz: Neue Proteste in Dakar- Opposition auf der Straße +++ mehr... ![]() ![]() 09.02.2012 in Berlin Worte des Lebens (Guinea) 11.02.2012 in München Toiletten für Schulen und öffentliche Einrichtungen in Entwicklungsländern: Wie mache ich alles richtig? 17.02.2012 in Berlin Afrika Kulturtag Moabit mehr... |
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