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Berlin, 10.09.2010 |
Genug Nahrung, Schulgeld und eine Ziege - Familienhilfe schützt vor dem Elend
Ein paar Dollar monatlich bewahren im südostafrikanischen Malawi viele Tausend Familien und Aids-Waisen vor der bittersten Not. Mit ihrer regelmäßig und unbürokratisch an die Ärmsten ausgezahlten Familienhilfe will die Regierung Malawis beweisen, dass sich Armut auch mit bescheidenen Mitteln erfolgreich bekämpfen lässt. Das Hilfsprogramm wird vom Weltkinderhilfswerk UNICEF und der Nationalen Aids-Kommission der Weltbank partnerschaftlich koordiniert.
Seit Regina Kondwerani aus der Zentralregion Mchinji in das 2006 gestartete Regierungsprogramm aufgenommen wurde, brauchen sie und ihre fünf Geschwister nicht mehr zu hungern. Denn die 16-Jährige muss die Familie nach dem Tod des Vaters vor vier Jahren allein durchbringen. Die Mutter ist verschwunden.
"Vier Jahre lang gab es bei uns höchstens einmal am Tag etwas zu essen", berichtete sie. "Wir waren den ganzen Tag unterwegs, um Holz und Wasser zu holen und die Mülleimer der Umgebung nach etwas Essbarem zu durchsuchen. Da blieb für die Schule keine Zeit."
Die umgerechnet 19 US-Dollar, die sie jetzt monatlich erhält, entsprechen in Malawi dem durchschnittlichen Haushaltseinkommen in einer Landgemeinde. "Das reicht, um die Familie satt zu bekommen", sagte Kondwerani. Inzwischen konnte die junge Frau auch ein paar Ziegen und Hühner anschaffen und Kunstdünger für das Maisfeld kaufen.
Hintergrund
Malawi ist eines der weltweit ärmsten Länder. Nach amtlichen Angaben müssen 65 Prozent der 13,1 Millionen Einwohner mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Mehr als vier Millionen der sieben Millionen Kinder leben in Armut. 13 Prozent der unter 18-Jährigen sind verwaist, viele haben ihre Eltern durch Aids verloren. UNICEF verweist darauf, dass in Malawi fast alle Kinder unter fünf Jahren unterernährt sind und an Entwicklungsstörungen leiden. Hunger, Armut und kulturelle Hemmschwellen führen dazu, dass mehr als die Hälfte der Grundschüler die Schule abbricht.
Die Regierung richtet sich mit dem vor zwei Jahren aufgelegten Hilfsprogramm an besonders bedürftige Familien. Über deren Auswahl entscheiden zunächst Gemeindekomitees (Community Social Protection Committee - CSPC), in denen angesehene Bürger gemeinsam mit den lokalen traditionellen Führern mitarbeiten. Sie reichen ihre Vorschläge an den jeweiligen Sozialausschuss des Bezirks (Social Protection Sub-Committee - SPSC) weiter. Vor der endgültigen Genehmigung überprüft dieses Gremium aus Sozialarbeitern und Provinzbeamten die Listen armer Familien und arbeitsunfähiger kranker, behinderter und alter Menschen.
Die monatlich bar ausbezahlte Hilfe richtet sich nach der Familiengröße. Für einen Einpersonenhaushalt gibt es 4,20 Dollar. Familien, die ihre Kinder in die Grundschule schicken, erhalten 1,30 Dollar zusätzlich. Ein Haushalt mit Sekundarschülern bekommt weitere 2,60 Dollar.
Sinnvolle Investition in die Zukunft der Kinder
Mayke Huijbregts, die bei UNICEF-Malawi die Abteilung für Sozialpolitik leitet, begrüßt das Programm als eine Investition in Gesundheit und Zukunft der Kinder. "Sie werden dadurch auch vor Ausbeutung durch Kinderarbeit und vor Missbrauch durch Frühehen geschützt", betonte sie.
Seit der Barauszahlung von Familienhilfe sei die Kinderarbeit in Malawi von 53 auf 18 Prozent zurückgegangen, berichtete sie. Mit dem Geld werde nicht nur die Ernährung der Empfänger gesichert, auch die Wohnverhältnisse würden verbessert und die Tierhaltung aufgestockt, betonte die UNICEF-Mitarbeiterin.
Das Netzwerk 'Malawi Economic Justice Network' (MEJN) mit seinen 100 zivilen Organisationen lobt das Programm, das Bedürftigen gezielt, schnell und effizient hilft. "Es bewirkt mehr als etwa das Agrarförderprogramm für Arme, das Saatgut und Dünger verteilt, ohne zu prüfen, ob die Empfänger etwas von Landwirtschaft verstehen", erklärte MEJN-Chef Andrew Kumbatira.
Angesichts der ersten positiven Bilanz der Familienhilfe denkt die Regierung in Lilongwe an eine Erweiterung des Empfängerkreises. Bis 2015 sollen 250.000 Familien und 700.000 Kinder eine solche Unterstützung erhalten. (ips)
Artikel vom 11.02.2009 (Pilirani Semu-Banda)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Republik Malawi
Hauptstadt: Lilongwe
Unabängigkeit: seit 06.07.1964
Klima: tropisch
Amtssprache: Chichewa, Englisch
Größe: 118.484 km²
Einwohnerzahl: ca. 13.000.000
Währung: Malawi-Kwacha (100 Tambala)
Telefonvorwahl: +265
KFZ-Kennzeichen: MW
Internet-TLD: .mw
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