Kultur » Artikel Berlin, 08.02.2012   


Die Wassergöttin - Wie ich den Bann des Voodoo brach

„Die Wassergöttin – Wie ich den Bann des Voodoo brach“ erzählt die Lebensgeschichte von Joana Adesuwa Reiterer, einer mutigen jungen Frau, die sich heute international und öffentlichkeitswirksam für Menschenrechte einsetzt. Ein außergewöhnlich offenes und klar geschriebenes Buch, dass in dieser intimen, sehr persönlichen Form nur selten dargestellte Innenansichten Nigerias liefert und deshalb in keiner gut sortierten Afrika-Bibliothek fehlen sollte.

 
Autorenfoto (c) M. Sokolar  
Bei zahlreichen Podiumsdiskussionen und TV Auftritten machte sie in der jüngsten Vergangenheit auf die Problematik des Menschenhandels zwischen Afrika und Europa aufmerksam. In ihrer Biografie schildert sie nun ihre Erfahrungen mit dem Voodoo-Kult und sensibilisiert ihre Leser für die Tatsache, dass sie kein Einzelschicksal ist. Denn viele Frauen und Kinder werden in Afrika auf grausame Weise als Hexen verfolgt.

„Ich habe meine Geschichte niedergeschrieben, um einen Beitrag zur Aufklärung über diese verheerenden Verhältnisse zu leisten“, so Joana Adesuwa Reiterer. „In Nigeria werden viele Kinder ausgestoßen, gefesselt, geschlagen oder mit Säure verätzt, um ihnen vermeintliche böse Geister auszutreiben. Als ich das Buch geschrieben habe, habe ich gemerkt, dass es nicht um mich geht. Es geht darum, dass auf dieser Welt ein Verbrechen geschieht, das publik gemacht werden muss.“

Inhalt

„Du bist eine Ogbanje, eine Wassergöttin“, erklärt die Voodoo-Priesterin. Mit diesem Stigma beginnt für die 14-Jährige Adesuwa eine Odyssee. Ihr Vater glaubt, sie sei besessen, bringe ihrer Familie Unglück und verstößt sie. Auf sich alleine gestellt, flieht sie nach Lagos (Nigeria), wo sie unter einer Brücke leben muss. Adesuwa erlebt Gewalt, Armut und Hoffnungslosigkeit.

Doch ihre Willenskraft verhilft ihr zu einem Aufstieg in die nigerianische Filmindustrie. Als sie den charismatischen Tony heiratet, verlangt dieser von ihr, ein Voodoo-Ritual über sich ergehen zu lassen. Sieben Tage dauert die magische Zeremonie. Adesuwa wird unter Drogen gesetzt und ist nach dem Ritual zutiefst verstört…

"Bei diesen Wahnvorstellungen handelt es sich nicht um ein erhaltenswertes kulturelles Erbe, sondern um eine Bedrohung der Humanität", urteilt Joana Adesuwa Reiterer und hält an anderer Stelle in ihrem Buch fest, dass die bekannten Faktoren für Menschenhandel und Folter, Armut und wirtschaftliche Ausbeutung sind. Aber ebenso wichtig sei: die Bezichtigung der Hexerei. Die natürlichen Rechte von Frauen und Kindern würden dabei in höchstem Maße von den Anhängern der JuJu-Kulten und obskuren Sekten verletzt.

Warum dennoch so viele Kinder und Frauen sich zunächst ihrem Schicksal ergeben, erscheint in der Äußerung von Joana Adesuwa Reiterer nachvollziehbar, wenn sie schreibt, dass sie den Hexenglauben ihres Vaters zunächst nicht Ernst nahm, gar für einen bösen Scherz hielt und dann feststellt:

"Egal, was mein Vater mir antat, das Bedürfnis nach Geborgenheit und einer intakten Welt war stärker als all das Grauen, das mir bereitet wurde!"

Vita

Joana Adesuwa Reiterer wird 1981 in Benin City, Nigeria, geboren. Nachdem ihr Vater sie verstößt, lebt sie in Lagos, wo sie nach einer Zeit der Obdachlosigkeit in der nigerianischen Film und Entertainment-Industrie Fuß fasst. Sie schließt ein Universitätsstudium in Polymertechnologie ab und baut sich nebenbei eine Existenz als Inhaberin einer Mode-Boutique auf. Außerdem organisiert sie Fashion-Shows.

2003 heiratet sie einen in Wien lebenden Nigerianer und gelangt so nach Österreich. Aber schon nach wenigen Wochen muss sie schmerzhaft erkennen, dass ihr Mann ein Menschenhändler und Zuhälter ist. Sie flieht aus dieser Ehe, schlägt sich in Österreich mit Hilfsarbeiten durch und lernt Deutsch.

Im August 2006 gründet sie den Verein „Exit“, mit dem Ziel Menschenhandel zwischen Afrika und Europa zu bekämpfen. Die UNO lädt Joana Adesuwa Reiterer ein, gemeinsam mit der Oscar-Preisträgerin Emma Thompson der Öffentlichkeit das Thema Frauenhandel näher zu bringen. Neben ihrer Tätigkeit bei „Exit“ arbeitet Joana Adesuwa Reiterer als Autorin und Eventmanagerin. 2007 ist sie wichtige Impulsgeberin und Informantin bei den Recherchearbeiten für das Buch „Ware Frau – auf den Spuren moderner Sklaverei von Afrika nach Europa“ (afrika-bildung.de berichtete).

Trailer zum Buch
Im weiterführenden Link / Download kann ein interessanter Bericht zum Buch mit einem Gespräch mit der Autorin angesehen werden.

Artikel vom 12.03.2009 (sec)


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