Kultur » Artikel Berlin, 08.02.2012   


STAGINGS MADE IN NAMIBIA

Wie ließe sich postkoloniale Fotografie bestimmen? STAGINGS MADE IN NAMIBIA ist eine kollektive Versuchsanordnung. Sie versammelt inszenierte Alltagsbilder von 124 Fotografinnen und Fotografen aus dem seit 1990 von Südafrika unabhängigen Namibia, die den herkömmlichen Blick auf die deutscheste aller ehemaligen Kolonien unterwandern. Das Ausstellungsprojekt , dass in Berlin und Windhoek zu sehen sein wird, stellt die Frage nach Präsentationsmöglichkeiten jenseits der gängigen Postkartenmotive. Ein wunderbarer Katalog zur Ausstellung hilft, später die Eindrücke noch einmal Revue passieren zu lassen.

 
Sebastian Namaseb_Katutura_Windhoek©  
Die Ausstellung an der Schnittstelle von Kunst und Bildpolitik liefert Präsentationsmöglichkeiten, die das Moment der Darstellung im Dargestellten offenbaren, und erkundet andere Gebrauchsweisen von Fotografie im nachkolonialen Kontext.

Präsentiert werden die Bilder von 124 Fotografinnen und Fotografen aus dem seit 1990 vom südafrikanischen Apartheidregime unabhängigen Namibia, der ehemaligen Siedlungskolonie „Deutsch-Südwest“. Arbeiter, Arbeitslose, Archivare, Barfrauen, DJs, Drag Queens, Erzieher, Farmer, Fotografiestudenten, Immigranten, Journalisten, Karnevalisten, Künstler, Lehrer, Obdachlose, Schauspieler – Menschen aus unterschiedlichen Lebenszusammenhängen haben diese Fotografien für ein namibisches wie deutsches Publikum aufgenommen.

Idee

Wie in einem Stille-Post-Spiel wurden 2007 und 2008 Einweg- und Billigkameras an all jene verteilt, die mitmachen wollten: von Windhoek über die Waterberg- und die im Norden gelegene Kavangogegend, das westliche Arandis und Swakopmund bis zum östlichen Aminuis Corridor bei Gobabis und Lüderitz im Süden.

Vor dem Hintergrund des von der deutschen Schutztruppe 1904 bis 1908 begangenen Genozids und der seit dem Gedenkjahr 2004 verstärkt diskutierten Reparationsfrage stand anfangs das Interesse am visuellen Nachleben einer geteilten Kolonialgeschichte und an unterschiedlichen namibischen Vorstellungen von Deutschsein im Vordergrund.


Entwicklungen

Demgegenüber haben viele Fotografinnen und Fotografen einen Einstellungswechsel vorgenommen: Aus immer wieder anderen Blickwinkeln haben sie inszenierte Bilder ihres Alltags gemacht und die Fotografierten als Akteure ins Bild gesetzt. Oftmals erinnern die aus etwa 5000 Aufnahmen ausgewählten Bilder an Theaterfotos oder Film. Indem sie ihren Inszenierungscharakter ausweisen, unterscheiden sie sich von den vermeintlich authentischen Postkartenmotiven oder Effekt heischend komponierten Armutsbildern, die die visuellen Darstellungen Namibias zumindest in Deutschland prägen.

Dabei provozieren sie vor allem dort, wo uns die Fotografierten ins Visier nehmen, zu einer Lektüre, die die Differenz zwischen Bildproduktion und nachträglichem Betrachten reflektiert. Anstatt die Aufnahmen schlicht als repräsentative Abbilder einer nachkolonialen Wirklichkeit begreifen zu können, ist man zur weiteren Recherche herausgefordert.

Die Fotografien werden zurzeit im Berliner Bethanien vorgestellt und dann in der National Art Gallery of Namibia (Windhoek) gezeigt. Kuratiert wurde die Ausstellung von Evelyn Annuß. Das Ausstellungsdesign stammt von Claudia von Funcke.

Katalog

Der sehr ansprechend gestaltete Katalog bietet auf 300 Seiten, 200 Farbabbildungen mit Beiträgen von A. Akinbiyi, M. Baer, D. Baltzer, G. Boden, J. Etherington, L. Förster, A. Graig, P.L. Hashingola, D. Henrichsen, O. Hiveluah, I. Kaunatjike, R. Kößler, A. Kusser, H.C. Mahnke, H. Melber, A. du Pisani, M. Saar, U.J. Schüler, D. Wee, J. Zeller und ein Nachwort von G. Krüger. Herausgegeben wurde er von der Kuratorin E. Annuß
(dt-engl. € 22, b_books, ISBN 978-3-933557-94-0. www.b-books.de)

Begleitprogramm:

3. April 2009, 20 Uhr
Queer Sexualities and Gender in Namibia and South Africa (engl. OF/OV)
Karin Michalski (clipclub Berlin), G. Tibinyane (Windhoek)
Simon and I (Bev Ditsie und Nicky Newman, South Africa 2001)
Forgotton Survivors (Gina Tibinyane, Namibia 2008)

10. April 2009, 20 Uhr
Film Night (engl. OF/OV), Diskussion über Namibische Filmproduktion
Dorothee Wenner (Berlin), O. Hiveluah (Windhoek), Errol Geingob
(Arandis)
International (Ees/Gazza, Namibia 2007)
Journey of a Rain Shaman (Robert Scott/Andrew Botelle, Namibia 2008)
Tate Penda (Errol Geingob, Namibia 2006)
Tulila’s Fate (Oshosheni Hiveluah, Namibia 2006)
u.a.
anschließend DJane Ché Ulenga (Windhoek)


19. April 2009, Wilhelm/Vossstr., 15 Uhr
Kolonialhistorischer Stadtrundgang, Berlin Mitte, mit Joachim Zeller





Ort und Zeit

Bethanien, Kapelle
28. März – 19. April 2009/28 March – 19 April 2009
Eröffnung: 27. März 2009, ab 19 Uhr/Opening: 27 March 2009, 7 pm
Öffnungszeiten Di – Fr 14 – 19 Uhr/Opening hours: Tue – Fri 2 – 7 pm
Sa/So/Feiertags 12 – 19 Uhr/Sat./Sun./public holidays 12 am – 7 pm

Artikel vom 31.03.2009 (sec)


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Unbenanntes Dokument Länderinfo
Republik Namibia



Hauptstadt: Windhuk
Unabängigkeit: seit 21.03.1990
Klima: trocken, dürr
Amtssprache: Englisch
Größe: 824.292 km²
Einwohnerzahl: ca. 2.000.000
Währung: Namibia-Dollar (100 Cents)
Telefonvorwahl: +264
KFZ-Kennzeichen: NAM
Internet-TLD: .na
 
 
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