Vermischtes » Artikel Berlin, 10.09.2010   


Umbenennung des Gröbenufers in May-Ayim-Ufer

Die 70 im Berliner entwicklungspolitischen Ratschlag (BER) zusammengeschlossenen entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen - Afrika Bildung e.V. gehört dazu - begrüßen die bevorstehende Umbenennung des Gröbenufers in May-Ayim-Ufer.

 
Nachdem nun die Linkspartei ihre Zustimmung zum Antrag der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg angekündigt hat, steht der Umbenennung nichts mehr im Weg. Am 6. Mai stimmt der Kulturausschuss (öffentliche Sitzung, 18 Uhr) über den Antrag ab. Die BVV wird dann voraussichtlich Ende Mai entscheiden.

Zivilgesellschaftliche Gruppen fordern schon lange eine aktive Auseinandersetzung mit den Spuren des deutschen Kolonialismus im öffentlichen Raum. Die Umbenennung der kleinen Kreuzberger Uferpromenade ermögliche es nun, an einem konkreten Beispiel vor Ort über die Folgen des deutschen Kolonialismus zu debattieren und ihrer kritisch zu gedenken, sagt Armin Massing vom BER. "Das ist ein Durchbruch: Es ist das erste Mal, dass in Berlin eine Straße mit kolonialem Bezug umbenannt wird. Dies ist erfreulich, kann aber nur ein Anfang sein. Denn es gibt noch etliche weitere Straßen, die nach Kolonialverbrechern benannt sind, wie die Wissmannstraße in Neukölln oder die Petersallee in Mitte. Dort sind die Widerstände in den Parteien aber noch viel größer als in Friedrichshain-Kreuzberg."

Otto Friedrich von der Gröben (1656--1728), der 1895 mit dem Straßennamen für seine Verdienste geehrt wurde, gilt als Pionier des deutschen Kolonialismus. Er gründete als Leiter einer preußisch-brandenburgischen Expedition, die vor allem das Geschäft mit Sklaven zum Ziel hatte, die Festung Großfriedrichsburg im heutigen Ghana. Bis zu 30.000 Menschen wurden in der Folge von dort unter grausamsten Bedingungen in die Sklaverei verschifft, etwa jeder Zehnte überlebte schon den Transport an den Bestimmungsort nicht.

Die international bekannte afrodeutsche Dichterin, Pädagogin und Kreuzbergerin May Ayim (1960--1996), die sich gegen Rassismus einsetzte und in der Frauenbewegung aktiv war, machte immer wieder auf die koloniale Vergangenheit Deutschlands aufmerksam. "Das Gröbenufer nach ihr zu benennen, wird das Thema Kolonialismus an dieser Stelle nicht aus dem Stadtbild verschwinden lassen, sondern bedeutet eine Perspektivumkehr des Gedenkens", so Massing.

May Ayim

May Ayim (eigentlich May Opitz) wurde als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen am 3. Mai 1960 in Hamburg geboren. Sie ist im Heim und in einer Pflegefamilie in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. Sie studierte in Regensburg Pädagogik. Ihre Diplomarbeit über die Geschichte Afrodeutscher von 1986 veröffentlichte sie im Buch "Farbe bekennen". Die Arbeit wurde von einem Berliner Professor mit der Begründung abgelehnt, in Deutschland gebe es keinen Rassismus: "Vielleicht in den USA, aber nicht hier."

Ab 1984 lebte sie in Berlin wo sie eine Ausbildung als Logopädin machte und als Lehrbeauftragte an mehreren Hochschulen arbeitete. 1985 war sie Gründungsmitglied der "Initiative Schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland". Sie knüpfte Kontakte zu Vertreterinnen der internationalen schwarzen Frauenbewegung.

Sie wehrte sich in Vorträgen und auch in ihren Gedichten gegen rassistische Diskriminierung. Dabei ging es ihr um ihre alltäglichen Erfahrungen von Ungerechtigkeit und Dummheit. So deckte sie insbesondere den beleidigenden Charakter von Bezeichnungen wie Neger, Mischling oder Besatzungskind auf. In Farbe bekennen schrieb sie: Ich wuchs mit dem Gefühl auf, das in ihnen steckte: beweisen zu müssen, dass ein 'Mischling', ein 'Neger', ein 'Heimkind' ein vollwertiger Mensch ist. (S. 207 Farbe bekennen)

Sie gilt als eine der Pionierinnen der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. 1996 erhielt sie die Diagnose Multiple Sklerose. Sie stürzte sich am 9. August 1996 von einem Hochhaus in den Tod. (Quelle: Wikipedia)

Artikel vom 01.05.2009 (SEC)


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Hauptstadt: Accra
Unabängigkeit: seit 06.03.1957
Klima: tropisch feuchtheiß
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Größe: 238.537 km²
Einwohnerzahl: ca. 20.500.000
Währung: New Cedi (100 Pesewa)
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