Politik » Artikel Berlin, 07.09.2010   


Gutscheine für Getreide-Mahlen schaffen Spielraum

Mit der Ausgabe von Gutscheinen für das Mahlen von Getreide in Getreidemühlen startete die Hilfsorganisation World Vision diese Woche in Süd-Darfur ein neuartiges Hilfsprojekt. In den beiden Flüchtlingscamps Otash und Mosey geben Helfer Gutscheine an tausende Flüchtlinge aus.

 
Foto: NGO  
Mit den Gutscheinen können die Familien in den Camps einen Großteil ihres Getreides, das sie vom Welternährungsprogramm (WEP) bekommen, mahlen lassen. Rund 75.000 Flüchtlinge in Süd-Darfur sollen von dem Projekt profitieren. Das Amt für Humanitäre Hilfe der Europäischen Union (ECHO) unterstützt das Pilotprojekt von World Vision und WFP mit einer Million Euro.

Die Binnenflüchtlinge in Darfur werden durch das Welternährungsprogramm mit Getreide, Hülsenfrüchten, Öl, Salz und Zucker versorgt. Um andere Bedürfnisse wie Feuerholz, Mahlen von Getreide, Gemüse, Obst, Fleisch, Kleidung etc. zu befriedigen, sind die meisten Familien gezwungen, einen Teil der an sie verteilten Nahrungsmittel wieder zu verkaufen.

Das bedeutet einerseits, dass die verfügbare Menge an Nahrungsenergie verringert wird; andererseits nimmt durch solche Transaktionen der eigentliche monetäre Wert der Nahrungsmittel stark ab.

„Mit Hilfe der Gutscheine sparen die Familien wenigstens die Kosten für die Mühle und haben mehr Getreide zur Verfügung oder können das eingesparte Geld für frische Lebensmittel verwenden“, erklärte Martin Van de Locht, Leiter der internationalen Programme von World Vision Deutschland, bei der Eröffnungszeremonie. Bei der Verteilung der Gutscheine bestätigte ihn eine Mutter von sechs Kindern, die mit ihren beiden Jüngsten erwartungsvoll an der Zeremonie teilnahm. „Bis zu 12 Euro habe ich monatlich bisher für das Getreide-Mahlen bezahlen müssen“, erzählte Saadia Ali. Sie lebt seit 2004 mit ihrer Familie im Flüchtlingscamp.

"Jetzt werde ich mehr Geld haben, um Milch, Fleisch und andere Lebensmittel für meine
sechs Kinder zu kaufen. Das ist eine große Erleichterung.“

„Wir hoffen, dass sich die teilweise dramatische Ernährungssituation der Menschen ein Stück verbessert“, ergänzt Ernährungswissenschaftlerin Juliane Friedrich, die das Projekt betreut und vor kurzem in Darfur war.

Die mangelhafte Ernährung dort treffe vor allem Neugeborene und Kinder unter fünf Jahren. „Wir müssen den Kindern, aber auch schwangeren und stillenden Müttern ausreichende und ausgewogene Ernährung bieten. Verschiedene Hilfsmaßnahmen, die bereits laufen, werden durch das neue Gutschein-Projekt ergänzt.“

In Darfur leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen gut zwei Millionen Menschen in Flüchtlingslagern. Sie können wegen der andauernden Gewalt nicht zurück in ihre Dörfer. World Vision engagiert sich seit 1983 im Sudan. In Süd-Darfur kümmert sich die Hilfsorganisation mit verschiedenen Programmen um die Flüchtlinge.

Arbeitsschwerpunkte sind: bessere Ernährung, Zugang zu Trinkwasser und eine medizinische Grundversorgung.Speziell für Kinder hat World Vision Notschulen und Kinderzentren eingerichtet.

Artikel vom 23.05.2009 (sec/PM)


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