Wirtschaft » Artikel Berlin, 31.07.2010   


Heikle Fracht - Waffentransporte und Hilfsgüter gemeinsam an Bord

Illegale Waffentransporte und Hilfsgüter internationaler Organisationen kommen häufig mit dem selben Flugzeug in Krisengebiete. Das geht aus einem Bericht des Stockholmer Institutes SIPRI hervor.

 
Stockholm International Peace Research Institute  
90 Prozent der am Waffentransport in afrikanische Länder beteiligten Fluggesellschaften werden gleichzeitig von Hilfsorganisationen, UN-Behörden sowie von der Europäischen Union und der NATO genutzt. Zu diesem Schluss kommt der gerade veröffentliche SIPRI Bericht (Stockholm International Peace Research Institute). Das gelte derzeit vor allem für den Sudan. In dem zentralafrikanischen Staat würden alle Unternehmen, die von den Vereinten Nationen in Zusammenhang mit illegalen Waffenlieferungen genannt werden, auch für humanitäre Hilfe genutzt.

Fliegen, wenn der Kunde zahlt

Das Problem hat mit den Veränderungen in den Transportstrukturen zu tun, erklärte Kleinwaffenexperte Wolf-Christian Paes vom Bonner Konversionszentrum (BICC) in einem Interview der Deutschen Welle. Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch der Sowjetunion seien zahlreiche Piloten und Fluggesellschaften aus Osteuropa arbeitslos geworden. Viele von ihnen seien sogenannte "Bedarfsfluggesellschaften" und verdienten ihr Geld jetzt in Afrika oder Asien. Die Art ihres Lufttransportes sei "amoralisch". "Das heißt sie fliegen dann, wenn der Kunde zahlt und sie transportieren, was immer es zu transportieren gibt", so Paes. Und das könnten eben an einem Tag Reis und am nächsten Edelsteine oder Waffen sein.

Keine eindeutigen Regeln

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat zwar wegen Waffenschmuggels bereits ein Flugverbot gegen die sudanesische Gesellschaft „Badr Airlines“ empfohlen. Dennoch nutzen die UN laut SIPRI-Studie Maschinen dieser Gesellschaft weiterhin für Transporte in den Sudan. Ein weiteres Problem sei, dass die Flugzeuge auf dem Rückweg oft illegale bzw. „konfliktsensible“ Güter wie Kokain, Diamanten oder andere wertvolle Mineralien aus den Krisenregionen abtransportierten. Das führe zwangsläufig zu einer weiteren Destabilisierung der betreffenden Region, da die Güter zu den Auslösern der Konflikte gehörten, heißt es im Bericht.

Mehr Kontrolle

Die SIPRI-Experten fordern, Auftraggeber sollten künftig bei Lufttransporten für humanitäre Zwecke von den Fluggesellschaften Verpflichtungen zu ethischem Transportverhalten verlangen. Denn für viele Hilfsorganisationen ist es nach eigenen Angaben schwierig, herauszufinden, für welche Zwecke die Flugzeuge sonst noch genutzt werden. Dennoch gebe es Alternativen für die Hilfsorganisationen, meint Waffenexperte Wolf-Christian Paes. Sie könnten sich zusammentun und auf eine Liste bevorzugter Anbieter konzentrieren, die "sauber" sind. Das sei allerdings keine leichte Aufgabe. Auch die Preissituation sei entscheidend. "Schließlich sind auch humanitäre Organisationen und die UN darauf angewiesen, ihre Güter möglichst günstig zu transportieren."

Artikel vom 23.05.2009 (dw-world)

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