Tourismus » Artikel Berlin, 05.02.2012   


2009 ist das Jahr des Gorillas

Das Jahr 2009 riefen die Vereinten Nationen, hier die UN-Konvention zum Schutz wandernder Arten (Bonner Konvention), zum Jahr des Gorillas aus. Drei der vier Gorilla-Unterarten sind derzeit auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ klassifiziert. Nur noch rund 300 Cross River-, 720 Berg- und höchstens 5000 Östliche Flachlandgorillas durchstreifen den Dschungel. Armutsbekämpfung ist ein Schlüssel zum Erfolg der Schutzbemühungen, die durch die Ausrufung.

 
Foto: WWF_David Rouge  
„Angesichts der dramatischen Situation kann ein symbolisches UN-Jahr nur der Anfang sein. Wir benötigen gezielte Anstrengungen der Internationalen Staatengemeinschaft, um das Überleben des Gorillas dauerhaft zu sichern“, sagt Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF Deutschland. Hauptbedrohungsfaktoren sind nach Angaben der Umweltstiftung Wilderei und Lebensraumzerstörung. Daneben häufen sich Anzeichen, dass das gefährliche Ebolavirus ganze Gorillabestände auslöscht.

Der WWF befürwortet ein geplantes, länderübergreifendes Monitoring-System für Gorillas, die sich auf ihren Wanderungen durch den Regenwald nicht von Staatsgrenzen aufhalten lassen. Außerdem fordert die Umweltstiftung eine effektive Bekämpfung der Wilderei und einen Stopp der Rodungen. „Der Westen muss sich verstärkt in Afrika engagieren. Umweltschutz und Entwicklungshilfe gehen dabei Hand in Hand“, sagt Stefan Ziegler. Menschenaffenfleisch gilt inzwischen in den wohlhabenden und urbaneren Gesellschaftskreisen Afrikas als Delikatesse.

Ein Wilderer kann nach WWF-Angaben in einem Jahr mehr als 30 Gorillas töten. Doch wer mit Menschenaffenfleisch handelt, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, der beraubt nachfolgende Generationen ihrer finanziellen Grundlage. Die seltenen Großaffen gelten schließlich als wichtigstes Standbein der örtlichen Tourismusbranche. Rodungen, gefolgt von Straßenbau, Bergbau und andere Infrastrukturprojekten setzen den Menschenaffen ebenfalls zu.

Sollte keine Kurskorrektur erfolgen, werden nach Schätzungen des WWF bis 2030 über 90 Prozent des heute noch vorhandenen Lebensraums zerstört sein. Zusätzlich vergrößert die Nähe zu den Menschen die Gefahr, dass Krankheiten wie Masern oder Tuberkulose auf die Tiere überspringen.

„Es liegt in der Verantwortung der westlichen Industrienationen die Armut der Menschen in den afrikanischen Entwicklungsländern zu lindern, Lebensraumzerstörung und Wilderei zu stoppen und so das Überleben der Gorillas zu sichern“, sagt WWF-Referent Stefan Ziegler. Ähnlich dramatisch ist die Lage auch für die drei weiteren Menschenaffenarten. „Egal ob Gorilla, Schimpanse, Bonobo oder Orang-Utan, der Mensch hat seine nächsten Verwandten im Tierreich an den Rand der Vernichtung getrieben“, sagt WWF-Referent Ziegler.

Naturschutz durch Ökotourismus im Virunga-Massiv

Die Berge des Virunga-Massivs im Dreiländereck Uganda-Ruanda-Kongo bieten der Population von Berggorillas, welche auf ca. 700 Exemplare geschätzt ist, einen letzten Zufluchtsort. Durch die Erklärung von 2009 zum Jahr der Gorillas durch die UNESCO soll eine Sensibilisierungskampagne gestartet werden, um die gefährdeten Menschenaffen vor dem Aussterben zu retten. Ein wichtiger Teil des Artenschutzprogramms soll in alternative Einkommensquellen wie den Ökotourismus investiert werden.


Länder wie Ruanda und Uganda errieten schon vor Jahren richtig: Schützen lassen sich die Gorillas erst nur, wenn die Menschen davon profitieren. Wie lukrativ der Gorilla-Tourismus sein kann, wurde schon längst bewiesen. 500 Dollar werden pro Besucher einkassiert. Wenn ein Gorilla im Jahr im Durchschnitt 250 Mal von einem Touristen besucht wird, wird allein dieses Tier 125.000 USD jährlich einbringen. Viel Geld für die bitterarmen Länder im ostafrikanischen Graben.

Nun will Nachbarland Kongo in dieses Geschäft einsteigen. Hier im Virunga Nationalpark wohnt mehr als die Hälfte aller Berggorillas. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Rebellen von General Nkunda fiel der Park unter der Kontrolle der Aufständischen. Mittlerweile ist der Frieden wieder eingekehrt und mit ihm die 240 geflohenen Parkhüter, die einst durch das Schutzgebiet patrouillierten. Mit Gewehren bewaffnet ziehen sie wieder durch den Wald und checken den Gesundheitszustand der hier beheimateten Gorilla-Population. Trotz der Berichte über das grausame Ermorden mehrerer Silberrücken, die uns letztes Jahr erschütterten, hat die Parkverwaltung wieder Positives zu berichten: Die Berggorillas haben Nachwuchs bekommen. Nun hofft die Regierung auf die ersten Besucher, die mit der Wiedereinführung des Gorilla-Trekkings erwartet werden.

Der Besuch einer Gorilla-Familie unterliegt sehr strengen Regeln: es werden täglich höchstens acht Personen an eine an Menschen gewöhnte Familie heran gelassen. Kinder unter 15 Jahren dürfen am Trekking nicht teilnehmen. Menschen mit Erkältungen und für die Gorillas gefährliche Infektionskrankheiten erhalten keine Besuchererlaubnis. Die Aufenthaltsdauer bei den Gorillas ist auf eine Stunde begrenzt.

Artikel vom 29.05.2009 (openPR/WWF)

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