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In Madagaskar droht massiver Ausverkauf von Ackerland
Der Deal zwischen Madagaskar und Daewoo, mit dem sich der südkoreanische Konzern 1,3 Mio. Hektar bestes Ackerland sichern wollte, hatte Ende letzten Jahres für weltweites Aufsehen gesorgt. Er war einer der Gründe, die zum Umsturz auf dem Inselstaat geführt haben. Aber auch der seit März amtierende Präsident Andry Rajoelina hat das Geschäft noch nicht endgültig rückgängig gemacht.
Offenbar will Daewoo mittels der neu gegründeten Tochtergesellschaft Madagascar
Tsaku SARLU weiterhin Land im großen Stil aufkaufen. FIAN und Misereor fordern
Rajoelina auf, diesem Versuch eine klare Absage zu erteilen und die Landrechte der
heimischen Bauern abzusichern.
Daewoo ist nicht der einzige Konzern, der Land in Madagaskar erwirbt. Die britische
Gem BioFuels bepflanzt bis dato 13.500 Hektar mit einer sicheren Option auf 450.000
Hektar mit der Energiepflanze Jatropha. Auch die indische Firma Varun Agriculture
Sarl will dort über 230.000 Hektar pachten. Drei Viertel der Fläche hat sie sich
schon vor dem Umsturz gesichert. "Das Prinzip ist immer das gleiche: Energiepflanzen
und Grundnahrungsmittel sollen für den Export angebaut werden", erklärt Roman Herre,
Agrarexperte von FIAN Deutschland. Die Pachtverträge seien meist langfristig
ausgelegt, im Fall Varun auf 50 Jahre mit einseitiger Verlängerungsoption auf 99
Jahre. "Damit droht eine Verdrängung der lokalen Bevölkerung von ihrem Land und eine
Abhängigkeit von ausländischen Firmen über Generationen".
FIAN und Misereor beanstanden, dass die EU und USA diese Entwicklung über ihre
Mitspracherechte bei der Weltbank gefördert haben. "Kontinuierlich wurde Druck auf
die madagassische Regierung ausgeübt, ihre Land-Gesetzgebung zu modernisieren und an
die Anforderungen von Investoren anzupassen", so Ulrike Bickel, Energiereferentin
von Misereor. Diese Forderungen setzte der sehr wirtschaftsliberale Präsident
Ravalomanana um. Seit 2007 können ausländische Investoren Land bis zu 99 Jahre
pachten. "Solche 'Entwicklungsstrategien' verletzen das Recht auf Nahrung vieler
Kleinbauern und gefährden die Ernährungssicherheit", so Herre. "Dies ist doppelt
schlimm in armen Ländern wie Madagaskar, die ohnehin auf Nahrungsmittelimporte
angewiesen sind." Wenn die Nahrungsmittelpreise wieder steigen, nimmt auch der
Hunger zu. FIAN und das Kleinbauernnetzwerk La Vía Campesina fordern Rajoelina in
einer Briefaktion auf, die Vertragsverhandlungen mit Daewoo offiziell zu widerrufen,
alle Verhandlungen für großflächige Landverpachtung auf Eis zu legen und den Zugang
zu Land für kleinbäuerlichen Nahrungsmittelproduzenten zu schützen und zu
verbessern.
Auch Misereor zeigt sich besorgt: "Unsere madagassischen Partner kritisieren schon
lange die verantwortungslose Intransparenz der alten wie der neuen madagassischen
Regierung beim Ausverkauf der landwirtschaftlichen Nutzfläche zu Schleuderpreisen",
erklärt Ulrike Bickel. Das Land werde seit Jahrhunderten traditionell von
Dorfgemeinschaften von Kleinbauernfamilien und Tierhaltern genutzt. "Sie verlieren
mit dem Land ihre Existenzgrundlage und sind zur Migration in die Elendsviertel der
Städte gezwungen. Die Bevölkerung muss über Anfragen von Firmen frühzeitig
informiert und effektiv vor dem Ausverkauf an ausländische Investoren geschützt
werden."
Artikel vom 28.07.2009 (FIAN Deutschland und Misereor)
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