Kultur » Artikel Berlin, 31.07.2010   


Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg - Interaktive Wanderausstellung schlägt neues Kapitel deutscher Geschichte auf

Anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsbeginns in Europa präsentieren AfricAvenir International e.V. und Recherche International e.V. die bisher umfangreichste Ausstellung zum Thema „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ vom 1.-30.September in der Werkstatt der Kulturen in Berlin. Feierlich eröffnet wird die Ausstellung am 1. September 2009 um 19 Uhr durch den Historiker, Schriftsteller und Gründer von AfricAvenir, Prof. Kum’a Ndumbe III. aus Kamerun.

 
Ein umfassendes Begleitprogramm mit Vorträgen, Filmen, Lesungen und der Deutschlandpremiere des Hip- Hop-Musicals „Die vergessenen Befreier – A nos morts“ öffnet den Blick für die globale Dimension des Zweiten Weltkriegs und lädt das Publikum zu einer kritischen Reflektion der eigenen Geschichte ein.


Historischer Hintergrund

Bis 1945 leisten Millionen Soldaten aus der Dritten Welt freiwillig oder zwangsrekrutiert Militär- und Arbeitsdienste für die kriegführenden Kolonialmächte, um die Welt vom europäischen Faschismus und dem japanischen Großmachtwahn zu befreien. Weite Teile der Dritten Welt - von der lateinamerikanischen Küste über Nordafrika und den Nahen Osten bis nach Indien, Südostasien und Ozeanien - dienen dabei als Schlachtfelder und bleiben nach Kriegsende verwüstet zurück.

Bereits vor dem Kriegsbeginn in Europa herrscht in Afrika seit 1935 ein internationaler Krieg um Äthiopien, 1937 folgt der japanische Angriff auf China. Bei der Befreiung der philippinischen Hauptstadt Manila von den japanischen Besatzern sterben mehr Zivilisten als vergleichsweise in Berlin oder Dresden. Fakten wie diese, im hiesigen Geschichtsdiskurs oftmals ausgeblendet, werden in der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ mit Fotos und Texten, Hörstationen und Videos erstmals ausführlich präsentiert.

Bücher

Rechtzeitig zur Ausstellungseröffnung ist auch das Buch "Unsere Opfer zählen nicht. Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg", welches im Juni 2005 auf Platz 1 der Sachbuchbestenliste gewählt wurde, als Begleitband zur Ausstellung in 2. Auflage neu erschienen.

Afrika-Bildung e.V. empfhielt des weiteren das Buch von Raffael Scheck "Hitlers afrikanische Opfer", dass sich mit den Massakern der Wehrmacht an schwarzen französischen Soldaten beschäftigt; es ist in 2009 nun auch in deutscher sprache erschienen.

Programmauswahl

03.9.2009, 18.30 Uhr Lesung von Raffael Scheck – Hitlers afrikanische Opfer
04.9.2009, 19.00 Uhr Berlin Premiere: Tage des Ruhms (Indigènes) R: Rachid Bouchareb, DZ/MA/F/B 2006, 119 Min, OmU
11.9.2009, 18.30 Uhr Vortrag von Alice Cherki „Die Bedeutung des Zweiten Weltkriegs für die antikolonialen und antirassistischen Schriften Frantz Fanons
13.9.2009, 15.00 Uhr Thementag „Kriegsverbrechen der japanischen Armee“ in Anwesenheit von Zeitzeuginnen aus Taiwan
15.9.2009, 15.00 Uhr Lehrerfortbildung mit Kurator Karl Rössel in Kooperation mit LISUM und EPIZ
20.9.2009, 20.00 Uhr Deutschlandpremiere des Hip-Hop-Musicals “Die vergessenen Befreier” (À nos morts) der Gruppe "Mémoires Vives" (Straßburg) im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin

Hip-Hop-Musical: "Die vergessenen Befreier" (À nos morts)

Das Musical ist auch Teil des Begleitprogramms der Ausstellung .Am Sonntag, 20. September 2009 um 20 Uhr präsentiert AfricAvenir die Deutschlandpremiere des Hip-Hop-Musicals "Die vergessenen Befreier" (À nos morts) im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Das Musical wird im Original mit deutschen Obertiteln gezeigt.

Stark beeinflusst von der Hiphop-Kultur der Straßburger Vorstädte, verbindet diese Performance poetische Texte mit einem urbanen Sound sowie einer zeitgenössischen Tanzchoreograhie – das alles vor einem aus historischen Fotos und Filmausschnitten gestalteten Bühnenbild. Das Stück erinnert an die Millionen Soldaten aus den französischen Kolonien, die 1914-18 an vorderster Front für Frankreich kämpften und im Zweiten Weltkrieg mithalfen, die Welt vom Faschismus zu befreien. Heute weitgehend vergessen, erweist ihnen das Projekt "Mémoires Vives" seinen Respekt, indem es ein bedeutendes, aber verdrängtes Kapitel der Geschichte in zeitgenössischer Form auf die Bühne bringt.

An vergessene Aspekte der (Kolonial-)Geschichte in einer von Migration geprägten Gesellschaft zu erinnern ist seit 1996 das erklärte Ziel der "Compagnie Mémoires Vives". Künstler/innen arbeiten hier gemeinsam mit Historikern und Sozialarbeiter/innen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln. Die stark durch Hiphop und modernes Tanztheater beeinflussten Performances erhalten nicht nur euphorische Kritiken, sondern auch Standing Ovations der Jugendlichen aus den Banlieus.

Interviewpartner

Prof. Kum’a Ndumbe III., Raffael Scheck, Alice Cherki und Karl Rössel stehen ebenso wie die Gruppe Mémoires Vives und die Zeitzeuginnen aus Taiwan auf Anfrage für Interviews zur Verfügung.

Die Veranstalter

AfricAvenir International e.V. ist als gemeinnützger und politisch unabhängiger Verein anerkannt und setzt sich für eine gleichberechtigte Partnerschaft zwischen Afrika und Europa ein. Im November 2008 wurde AfricAvenir International e.V. von der UNESCO mit der Toussaint Louverture Medaille ausgezeichnet für „besondere Leistungen im Kampf gegen Hegemonie, Intoleranz und Rassismus“.

Recherche International e.V. hat als gemeinnütziger Verein die Ausstellung, die Publikationen und das dazugehörige Begleitprogramm ausgearbeitet, in enger Kooperation mit Karl Rössel vom Rheinischen JournalistInnenbüro sowie dem Grafiker Holger Deilke u.A..

In der Folge wird die Ausstellung in mehreren Städten der Bundesrepublik zu sehen sein.

Artikel vom 14.08.2009 (sec)


weiterführende Links:

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Presse

Welt: "Deutschland hat seine Versprechen nicht gehalten" +++ dw-world: Persilschein für Diktatur in Äquatorialguinea? +++ ARD: Militärische Ehren für mutmaßlichen Kriegsverbrecher +++ SWP: Und über allem schwebt der Blues +++ AFP: Franzosen an Angriff gegen El Kaida in Afrika beteiligt +++

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