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Erst vergewaltigt, dann aus der Gemeinschaft gestoßen
Gezielte Massenvergewaltigungen - in gewaltsamen Konflikten werden sie gezielt eingesetzt. Die internationale Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hilft geschändeten Frauen mit sensiblen Mitteln.
Ruanda war ein Wendepunkt Die blutigen Ereignisse in Ruanda markierten einen Wendepunkt. Auch für die Organisation: "Wir sagten uns: Eigentlich hätten wir da doch medizinische Hilfe anbieten können, um wenigstens die HIV-Übertragung zu verhindern. Und auch, um zu vermeiden, dass neun Monate nach den Gewaltakten zahllose unerwünschte Kinder zur Welt kommen. Und dass Mütter sie aus lauter Verzweiflung töten, oder dass wir später diese unerwünschten Kinder psychologisch betreuen müssen. Uns wurde damals klar: wir müssen den Frauen gezielte medizinische Versorgung anbieten." Seither wirbt der Ärzteverein dafür, dass geschändete Frauen innerhalb von 72 Stunden zur Konsultation kommen. Denn in diesem Zeitraum lässt sich eine Ansteckung mit dem HIV-Virus noch mit Medikamenten unterbinden. Die sogenannte "Pille danach" wirkt auch gegen eine unerwünschte Schwangerschaft. Dank dieser konkreten Angebote trauen sich endlich Opfer sexueller Gewalt in die Sprechstunden des Ärztevereins. Viele Frauen verschweigen die Tat – auch aus Angst vor dem Täter "Sexuelle Gewalt geht mit einem Sicherheitsproblem einher", sagt Bouchet-Saulnier. "Die Opfer von Vergewaltigungen gehen ein Risiko ein, wenn sie den Namen des Vergewaltigers nennen. Denn dann wird der Täter versuchen, das Opfer zu terrorisieren", sagt die Expertin. Deswegen garantiert die Organisation den geschändeten Frauen Verschwiegenheit. Im vergangenen Jahr hat die Organisation mehr als 15 000 Opfer sexueller Gewalt rund um den Globus betreut. An insgesamt 117 Einsatzorten, Krisenherden weltweit: In Haiti ebenso wie in Südafrika, in Brasilien wie in Kolumbien. Den traurigen Rekord hält die Demokratische Republik Kongo mit 53 Prozent aller Fälle. Gefolgt von Liberia mit 20 Prozent. Auch im Sudan werden Frauen massiv vergewaltigt. Doch das ist- wie an vielen weiteren Orten - bis heute ein Tabuthema. Oft werden Frauen und Mädchen sogar zweimal zum Opfer. Denn nicht genug, dass sie vergewaltigt wurden. Darauf folgt häufig soziale Ächtung: "Ich spiele keine Rolle mehr hier im Dorf, ich würde mich am liebsten umbringen", sagt etwa Solange, ein Vergewaltigungsopfer in einem Video von Ärzte ohne Grenzen. "Ich lag da im Staub und wurde vor allen Augen vergewaltigt. Seither denken alle, ich sei ein leichtes Mädchen, man respektiert mich nicht mehr. Wenn ich durchs Dorf gehe, zeigt man mit den Fingern auf mich." Francoise Bouchet-Saulnier weiß: es ist schwer, zwischen Vergewaltigungen im Rahmen von bewaffneten Konflikten und solchen im zivilen Leben zu unterscheiden: Die Demokratische Republik Kongo dient ihr als trauriges Exempel: Da die Täter in Uniform nicht verfolgt werden, wagen immer mehr normale Bürger sexuelle Übergriffe. Das sollte hart bestraft werden, fordert Bouchet-Saulnier, um den moralischen Verfall der Gesellschaft zu stoppen. Denn die Täter in Uniform sind erst greifbar, wenn der blutige Konflikt beendet und die Machtverhältnisse verändert sind. (dw-world) Artikel vom 27.11.2009 (Autorin: Suzanne Krause, Redaktion: Silke Ballweg)
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