Wirtschaft » Artikel Berlin, 31.07.2010   


Abwasser zu Energie - Biogasanlagen für arme Haushalte in Bergbaustadt Ndola

Die Bewohner der 130 Häuserblocks in Kariba, einem Stadtviertel der sambischen Bergbaustadt Ndola, wurden jahrelang beneidet. Neu und schick waren die Gebäude aus den 1930er und 1940er Jahren, dazu gab man den Bewohnern acht große Blocks mit Sanitäranlagen.

 
Building a biodigester in Kabushi. Foto IPS  
Obed Mumba hat fast sein ganzes Leben in der Siedlung verbracht. Ndola, die drittgrößte Stadt Sambias, liegt im so genannten Kupfergürtel des Landes, dem größten Kupferabbaugebiet Afrikas. Die Wohnsiedlung Kariba wurde ursprünglich für Männer wie Mumba gebaut - alleinstehend, jung und auf der Suche nach Arbeit in den Minen. Seitdem hat sich hier viel verändert und der heute 56-jährige Mumba wurde Zeuge, wie die Gegend den recht begrenzten Plänen seiner Schöpfer entwuchs.

Mit der Zeit änderten sich die Bedürfnisse und Lebensumstände der Bewohner, was dazu führte, dass die Regeln des Zusammenwohnens gelockert wurden. Die Männer gründeten Familien, und so teilten sich schließlich vier, fünf oder mehr Menschen einen einzigen Raum. Um Platz dazu zu gewinnen, bauten sie außerhalb der Häuser Hütten, in denen die Kinder sowie entferntere Verwandte unterkamen.

Sanitäranlagen wurden Bedürfnissen nicht gerecht

Auch die Sanitäranlagen waren den Menschenmassen nicht gewachsen. Schon in den 80er Jahren wurden die Toiletten und Duschen unbenutzbar. "Wir haben Plumpsklos gebaut", erzählt Mumba. Weil die Kinder aber Angst hatten, in die Grube zu fallen, setzten sie sich meist einfach auf die Straße. "Der Gestank hier wurde immer schlimmer und überall waren diese Fliegen", erinnert er sich.

Das hat sich erst in diesem Jahr geändert. Die Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung (BORDA), eine Nichtregierungsorganisation, die schon seit rund 40 Jahren Biogasprojekte in Indien durchführt, nahm sich nun Ndola vor. Kern des dezentralen Abwassersystems ist ein Biogassammelbecken, um Fäkalien aufzufangen und zu Energie umzuwandeln.

Fäkalien werden der Biogasanlage zugeführt, die dort von Bakterien zersetzt. Der dann übrig bleibende Schlamm kann als Dünger eingesetzt werden. Beim Prozess freigesetztes Methan wird aufgefangen und für die Öfen in den nahe gelegenen Häusern genutzt.

Gas günstiger als Holzkohle

Bisher wurden bereits rund 550 Toiletten gebaut. 156 Haushalte sind an die schon fertig gebauten Biogasanlagen angeschlossen. Das Biogas können bisher 30 Haushalte nutzen. Ba Shikulu-Mumba ist glücklich damit. "Es ist viel günstiger, mit Gas zu kochen als mit Holzkohle", sagt er. Seine Familie braucht 30 US-Dollar im Monat, wenn sie mit Holzkohle kocht. Mit Gas bleibt sie weit darunter. Durchschnittlich hat ein Haushalt in Kariba monatlich 100 US-Dollar zur Verfügung.

BORDA will weitere Biogassammelbecken bauen und auch Wohnungen aus den Nachbargegenden anschließen, um mehr Fäkalien in Energie umwandeln zu können.

Das Projekt in Ndola hat bereits Nachahmer in anderen Regionen gefunden. Auch im sambischen Umwelt- und Ressourcenministerium zeigt man sich begeistert. "Es geht hier nicht nur um sanitäre Anlagen und günstigen Brennstoff für die Bürger", sagte der Sprecher Bwalya Nondo. "Wir können damit auch etwas gegen den Klimawandel tun." Für die Produktion von Holzkohle werden in Sambia jedes Jahr rund 300.000 Hektar Wald zerstört. Mit den Biogasanlagen ließe sich dies stark eindämmen. (Ende/IPS/jt/2009)

Artikel vom 13.12.2009 (Lewis Mwanangombe/IPS)


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