Politik » Artikel Berlin, 31.07.2010   


Dokumentation der sexuellen Gewalt während der Wahlen in Kenia

In Kenia ist eine groß angelegte Dokumentation der sexuellen Gewalt angelaufen, der im Umfeld der chaotischen letzten Wahlen von Ende 2007 Tausende Frauen zum Opfer fielen. Eine Reihe von Organisationen beteiligen sich an dem Projekt, das Bedeutung für die bevorstehende Untersuchung der Wahlgewalt durch den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) haben könnte.

Der ICC wird aktiv, weil die kenianische Regierung bis heute nicht
auf die Empfehlungen der sogenannten Waki-Kommission vom Oktober
2008 reagiert hat. Auch die nach dem kenianischen Richter Philip
Waki benannte Kommission befasste sich mit der Gewalt nach den
umstrittenen Wahlen und riet in ihrem Bericht unter anderem zur
Einrichtung eines Sondergerichts für die Strafverfolgung der Täter
und zur Einschaltung des ICC bei Untätigkeit von kenianischer Seite.

Schon die Waki-Kommission beschrieb die sexuelle Gewalt im Umfeld
der Wahlen gegen Frauen, Kinder und einige Männer als großes
Problem, konnte selbst aber nur 31 Fälle aufführen - die Spitze des
Eisbergs, wie die Organisationen hinter dem neuen
Dokumentationsversuch festhalten. Allein das Frauenkrankenhaus in
der kenianischen Hauptstadt Nairobi registrierte über 650 Fälle
sexueller Gewalt für die Zeit der Wahlunruhen.

An dem Dokumentationsprojekt beteiligen sich die 'Federation of
Women Lawyers Kenya' (FIDA), der 'African Woman and Child Feature
Service' (AWCFS), das 'Centre for Rights Education and Awareness'
(CREAW) und die Gruppe 'Women Fighting Against AIDS in Kenya'
(WOFAK). Unterstützt wird das Vorhaben von der afrikanischen Sektion
des 'Urgent Action Fund' (UAF-Africa), der sich für die Menschen-
und Frauenrechte einsetzt.

Gruppenvergewaltigungen vor den Augen der Angehörigen

"Gewalt gegen Frauen ist in unserer Gesellschaft fest verankert und
hat System", sagt AWCFS-Chefin Rosemary Okello. Die Gewalt bei den
letzten Wahlen aber habe selbst für kenianische Verhältnisse ein
ungewöhnliches Ausmaß angenommen. Es sei unter anderem zu
Gruppenvergewaltigungen gekommen und dies vor den Augen der
Angehörigen der Opfer. Das traumatisiere ganze Familien.

Dem kann Jessica Nkuuhe, die Leiterin von UAF-Afrika, nur
beipflichten. Wie sie beschreibt, fühlen sich viele der Opfer
schuldig, sogar schuldiger als die Täter, und wagten mit ihrem
Schicksal aus Angst vor Stigmatisierung nicht an die Öffentlichkeit
zu gehen. "Wir bringen sie mit anderen Frauen zusammen, die
Ähnliches durchmachen mussten, und helfen ihnen so, sich
mitzuteilen." Das gebe den Überlebenden der Gewalt eine Chance zur
Bewältigung ihres Traumas.

Gespräche mit anderen Betroffenen helfen

Das neue Dokumentationsprojekt für Kenia hat Vorläufer. UAF-Afrika
konnte vielen Frauen helfen, die Opfer geschlechtsspezifischer und
sexueller Gewalt geworden waren und allein mit dieser Situation
nicht zurechtkamen. Im Norden und Nordosten von Uganda, in Liberia
und in Simbabwe haben viele Frauen dank UAF-Afrika ihr Leid teilen
können. Das macht es zwar nicht ungeschehen, mindert aber die
seelische Qual.

Die an dem neuen Projekt beteiligten Organisationen hoffen sehr,
dass ihre Dokumentation in die ICC-Untersuchungen einfließt und
dafür sorgen wird, dass die geschlechtsspezifische Gewalt bei den
Wahlunruhen nicht in Vergessenheit gerät. (IPS)

Artikel vom 20.02.2010 (Susan Anyangu-Amu)

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Republik Kenia



Hauptstadt: Nairobi
Unabängigkeit: seit 12.12.1963
Klima: tropisch bis subtropisch
Amtssprache: Swahili, Englisch
Größe: 582.646 km²
Einwohnerzahl: ca. 35.000.000
Währung: Kenia-Schilling (100 Cents)
Telefonvorwahl: +254
KFZ-Kennzeichen: EAK
Internet-TLD: .ke
 
 
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