Vermischtes » Artikel Berlin, 05.02.2012   


Afrika Schwerpunkt bei ARD - Überwindung von Klischees

Elefanten und Giraffen, Männer in bunten Hemden, die ihr Vieh durch einen Fluss treiben, Frauen beim Körbeflechten: Solche und ähnliche Afrika-Stereotypen gibt es auch in den Filmen, die die ARD zwischen Ostern und Pfingsten zeigt. Aber eben nicht nur. In einem eigenen Programm-Schwerpunkt über den Kontinent, auf dem vom 11. Juni bis 11. Juli erstmals eine Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen wird, will das Erste viele bislang unbekannte Facetten Afrikas zeigen.

 
Ungefähr die Hälfte aller Medienberichte über den schwarzen Kontinent sei geprägt von den berühmten «4 K": Krisen, Kriege, Katastrophen und Krankheiten, sagte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann am Dienstag in Hamburg. Mit diesen Klischees, von denen sich die Senderfamilie gar nicht ausnimmt, will das Erste nun zumindest ein bisschen aufräumen. Die Idee dazu sei schon vor Jahren bei der Planung zur WM-Berichterstattung in die ARD-Anstalten hineingetragen worden, so Baumann. Letztlich haben sich unter der Federführung der langjährigen WDR-Afrikakorrespondentin Birgit Virnich der Kölner Sender sowie SWR, NDR und SR mit Filmen beteiligt in Kooperation mit MDR und Phoenix.

Das Vorwort zum Programmheft des Afrika-Schwerpunkts hat Bundespräsident Horst Köhler verfasst, Fürsprecher des afrikanischen Kontinents. «Afrika wartet darauf, dass wir es mit unverstelltem Blick entdecken», schreibt er. Und nutzt die Gelegenheit für eine Medienkritik. So arbeiteten in den 48 Ländern südlich der Sahara lediglich 30 deutsche Korrespondenten, während es in Brüssel fast 200 seien, so das Staatsoberhaupt. Umso wichtiger sei es, die Chancen der Fußball-WM zu nutzen. «Geben wir Afrika die Aufmerksamkeit, die es braucht», so Köhler.

Die ARD wolle mit den Filmen nicht unbedingt ein optimistischeres, aber doch ein differenziertes Bild Afrikas zeichnen, so Baumann. Ein «Schocker» sei jedenfalls nicht dabei. Vielleicht sollten die Zuschauer schlicht «Lust am Fernsehen» verspüren, so der Chefredakteur.

Angesichts schöner Bilder von goldenen Sonnenuntergängen, zerklüfteten Bergen, glasklaren Seen und weiten Ebenen, wie sie die zweiteilige Entdeckungsreise auf Afrikas drittgrößtem Fluss Niger bietet, fällt das sicher leicht. Die Reportage von Werner Zeppenfeld läuft an Ostersonntag und -montag jeweils um 19.45 Uhr. Seit vier Jahren recherchiert Tom Theunissen für seinen Film «Global Players» (21. April, 23.30 Uhr) über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Fußball-WM auf den Kontinent.

Einen kritischen Blick auf die Rolle Europas und Chinas in Afrika wirft Birgit Virnich mit ihrer Reportage «Der Afrikanische Patient - Wunderheiler China?», die am 26. April um 21 Uhr läuft. «China-Schelte war lange Zeit in Mode, aber das ist zu kurz gegriffen», so Virnich. In ihrem Film zeigt sie, wie chinesische Baufirmen in Afrika Straßen bauen - genau das, was der Kontinent für
Handel, Bildung und Tourismus braucht und was 50 Jahre Entwicklungshilfe offenbar nicht geschafft haben.

«Noch keinen Meter Film» hat hingegen Richard Klug gedreht, dessen Beitrag am 9. Mai um 13.15 Uhr ein Ereignis dokumentiert, das erst in der Nacht zum 1. Mai stattfindet: Der Umzug des Flughafens Durban, auf dem ein Großteil der WM-Touristen landen soll. Die zweiteilige Doku «Traumflug durch Afrika» von Christian Gramstadtund Richard Klug nimmt die Zuschauer mit auf einen Helikopterflug von Kapstadt bis Kenia (Pfingstsonntag und -montag jeweils um 19.15Uhr). Die Auswirkungen der Fußball-WM auf Südafrikas Nachbarländer thematisiert der Film «Reise durchs Regenbogenland» (5. Juni, 16 Uhr) von Ulli Neuhoff. Die Reportage «Good morning, Africa» von Chiara Sambuchi zeigt am 15. Juni um 22.45 Uhr vier Frauen, die ihr Schicksal auf sehr unterschiedliche Weise in die Hand nehmen. Ein optimistischer Abschluss des ARD-Schwerpunkts Afrika. (KNA)

Artikel vom 23.02.2010 (Sabine Kleyboldt (KNA))

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