Kultur » Artikel Berlin, 10.09.2010   


Im Schatten des Tafelberges - When the mountains meets its shadows

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft kann sich Südafrika einer großen medialen Aufmerksamkeit sicher sein. Die Kölner Dokumentarfilmer Alexander Kleider und Daniela Michel schauen in ihren Film „When the Moutain meets its shadow“ genauer hin als viele Fernseh-Reportagen. Sie versuchen am Beispiel von vier Schwarzen aus der Unterschicht von Kapstadt die aktuellen Spannungen und sozialen Verwerfungen des Landes aufzuzeigen.

 
Foto: DOK-WERK  
Freiheit als zentrale Forderung im legendären Dokument „Freedom Charter“ hat zwar die Demokratie nach Südafrika gebracht; die Hoffnungen auf soziale Sicherheit, Chancengleichheit und Arbeit wurden aber nicht erfüllt. Im Gegenteil: Der konsequente Privatisierungskurs hat zu einer Arbeitslosenquote von 40 Prozent und einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich geführt.

Der Dokumentarfilm "When the Mountain Meets its Shadow" stellt im Vorfeld der Fussball WM in Südafrika anhand von vier ProtagonistInnen ungelöste Probleme aus der Apartheidzeit – das "unfinished business" – anschaulich dar.

Als die Stadtverwaltung eine komplette Armensiedlung wegen der Fussball-WM 2010 räumen lassen will, werden Ashraf und sein Freund Mncedisi mit ihren eigenen unverarbeiteten Erlebnissen aus der Zeit der Apartheid konfrontiert. Mit starken Portraits und beeindruckenden Aussagen zeichnet der Film ein Bild der südafrikanischen Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Apartheidvergangenheit und Anpassung an die neoliberale Weltwirtschaft.


Die Protagonisten


Der 25-jährige Arnold arbeitet als Wachmann für eine Sicherheitsfirma, die die Anwesen der reichen weißen Oberschicht schützen soll. Für einen Monatslohn von 185 Euro absolviert er zwölfstündige Nachtschichten. Nun bereitet er sich auf die Prüfung zum bewaffneten Wachmann vor. Die alleinerziehende Mutter Zoliswa kommt mit dem Geld, das sie als Putzfrau an drei Tagen in der Woche verdient, nicht aus. Sie sucht eine neue Stelle bei einer weißen Familie. Doch sie macht sich Sorgen, dass sie ihren zehnjährigen Sohn zu lange in der Hüttensiedlung allein lassen muss, wo er von anderen Jugendlichen zum Stehlen und Drogenkonsum animiert wird.

Ashraf und Mne, zwei ehemalige Aktivisten des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) finden sich mit den Folgen der neoliberal geprägten Wirtschaftspolitik der Regierung nicht ab und haben die „Anti Eviction Campaign“ gegründet. Diese Selbsthilfeorganisation hilft den Armen in den Townships gegen Zwangsräumungen und bei Sperrungen von Strom und Wasser. Kleider und Michel greifen die enttäuschten Hoffnungen vieler schwarzer Südafrikaner auf, die nach der Abschaffung der Apartheid und dem Sieg des ANC bei den ersten freien Wahlen 1994 auf eine grundlegende Verbesserung ihres Lebensverhältnisse gehofft haben.


14 Jahre Demokratie in Südafrika


Die Diskrepanz zwischen arm und reich ist immens. Besonders deutlich wird das bei Arnold und Zoliswa. Sie arbeiten für reiche Weiße, verdienen aber so wenig, dass sie wohl nie aus den Townships mit ihrer hohen Kriminalitätsrate herauskommen – ein soziales Handicap, das Zoliswa an ihre Kinder vererbt.

Noch kritischer fällt die filmische Analyse der sozialen Zustände im Fall von Ashraf und Mne aus: Enttäuscht vom regierenden ANC sind sie auf Distanz gegangen und versuchen, sich mit Protestaktionen und teils subversiven Mitteln gegen die Folgen der Privatisierungspolitik zu wehren. Seit soziale Grundleistungen wie Wasser, Strom und Wohnraum entweder privatisiert oder vom Staat der Marktlogik unterworfen wurden, hat die Zahl überschuldeter Haushalte und die Zahl der obdachlosen Familien zugenommen.

Als Reaktion darauf haben sich Selbsthilfegruppen gebildet - Männer wie Ashraf und Mne zeigen betroffenen Bürgern, wie man nachts gesperrte Wasserleitungen wieder zugänglich macht. Ashraf und Mne erklären sich auch mit den Bewohnern einer Armensiedlung an einer Straße zum Kapstädter Flughafen solidarisch, die von der Polizei mit Waffengewalt geräumt wurde, weil auf dem Gelände neue komfortable Wohnungen gebaut werden sollen. Nun kampieren die Vertriebenen in provisorischen Verschlägen auf der anderen Straßenseite. Einer von ihnen äußert mit Blick auf die bevorstehende WM einen schlimmen Verdacht: „Die Touristen sollen auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Elend nicht sehen müssen.“


Kritik

"Ein Film über Südafrika ganz ohne Vuvuzela-Kult und inszenierte Fußballbegeisterung. Hier kommen Betroffene und Aktive zu Wort. Mit ruhiger Kameraführung werden die ProtagonistInnen durch ihren Alltag begleitet. Für alle, die sich für die soziale Wirklichkeit der Post-Apartheid interessieren, ein absoluter Gewinn.", schreibt Andrej Holm in seiner Kritik (Gentrification Blog, wordpress.com) und trifft damit aus unserer Sicht genau den Punkt.


Filmdaten

75min, 60min, 52min / HD / Farbe / 2010

DOK-WERK filmkooperative GbR

Buch / Regie: A. Kleider und D. Michel
Kamera: Alexander Kleider
Ton: Romin Khan
Schnitt: Daniela Michel

Previewtour zum Kinostart

in Anwesenheit der Protagonisten Ashraf Cassiem und Mncedisi Twalo und der Filmemacher

- Weingarten, Sa 27.03.2010 / 20:15 Kulturzentrum Linse
- Basel, So 28.03.2010 / 11:00 kult.kino atelier
- Freiburg, So 28.03.2010 / 20:00 KOKI Freiburg
- Genf, Mo 29.03.2010 / 20:00 Maison des arts du Grütli
- Bern, Di 30.03.2010 / 20:00 Kino in der Reitschule
- Nürnberg, Mi 31.03.2010 / 19:00 Filmhaus Nürnberg
- Schwäbisch Hall, Do 01.04.2010 /20:30 Kino Schafstall
- Berlin, Sa 3.04.2010
Tagesseminar im Bildungswerk der Heinrich-Böll-Stiftung
- Berlin, Mo 05.04.2010 / 20:00 Festsaal Kreuzberg
- Bielefeld, Di 06.04.2010 / 19:30 Welthaus Bielefeld
- Bochum, Mi 07.04.2010 / 17:00 Bahnhof Langendreer
- Bremen, Do 08.04.2010 / 18:00 Kino 46
- Hannover, Fr 09.04.2010 / 20:30 Kino im Sprengel
- Wien, So 11.04.2010 / HTU Cinestudio
- Hamburg, Di 13.04.2010 / 19:00 Metropolis
- Hamburg, Mi 14.04.2010 / 10:00 Metropolis
- Göttingen, Mi 14.04.2010 / 20:00 Lumiere
- Stuttgart, Do 15.04.2010 / 19:00 Corso
- Oslo, Fr 16.04.2010
- Oslo, Sa 17.04.2010

Kinostart:

- Weingarten, So 28.03.2010 / 20:15 Kulturzentrum Linse
- Darmstadt, Mi 31.03.2010 / 20:45 Programmkino Rex
- Freiburg, Do 01.04.2010 / 21:30 KOKI Freiburg
- Schwäbisch Hall, Fr 02.04.2010 / 20:30 Kino Schafstall
- Osnabrück, Mi 14.04.2010 / 18:00 + 20:15 Lagerhalle
- Bochum, So 18.04.2010 / 17:30 Bahnhof Langendreer
- Berlin, Sa 24.04.2010 / 19:00 Lichtblick i.A. A.Kleider
- Berlin, So 25.04.2010 / 19:00 Lichtblick

Mai/Juni

- St. Gallen, Sa 08.05.2010 / 13.45 anlässlich des SUFO
- Luzern, Fr 28.05.2010 /19.30 im Romerohaus
- Zürich, 6./13./20./27.06 12.00 Kino XENIX
- Basel, Do 10.06 /18.30 Union

Artikel vom 28.03.2010 (sec)


weiterführende Links:

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Republik Südafrika



Hauptstadt: Pretoria
Unabängigkeit: seit 31.05.1910
Klima: subtropisch bis mediterran
Amtssprache: Afrikaans, Englisch, etc.
Größe: 1.219.912 km²
Einwohnerzahl: ca. 47.000.000
Währung: Rand (100 Cent)
Telefonvorwahl: +27
KFZ-Kennzeichen: ZA
Internet-TLD: .za
 
 
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