Wirtschaft » Artikel Berlin, 22.05.2013   


Acker soll Renten sichern, statt hungernde Ernähren

Immer mehr Pensionsfonds steigen in den Agrarsektor ein. Sie sichern sich riesige Ackerflächen und hoffen auf hohe Renditen für ihre Kunden. Nun will auch die deutsche Pensionskasse Ärzteversorgung Westfalen-Lippe auf den Zug aufspringen. Zusammen mit Pensionskassen aus den USA und Schweden will sie einen mehrere hundert Millionen US-Dollar schweren Agrarlandfonds auflegen, der unter anderem riesige Flächen in Brasilien aufkaufen soll. Afrika wird nicht lange außerhalb dieser Spekulation bleiben.

 
Die Menschenrechtsorganisation FIAN hat in den letzten Jahren vielfach gegen den Ausverkauf von Ackerland in Hungerländern - das so genannte Land Grabbing - protestiert. In vielen Fällen werden lokale Gemeinden vertrieben und ihre Menschenrechte verletzt. Land Grabbing verschärft die Landbesitzkonzentration, ein anerkannter Grund für Armut und Hunger in Ländern wie Brasilien. „Riesigen Monokulturen sind nicht vereinbar mit lokaler Ernährungssicherung und einer inklusiven Entwicklung, von der die Ärmsten profitieren“, so Roman Herre von der Menschenrechtsorganisation FIAN. 1.000 Hektar Getreidemonokultur schaffen gerade einmal 10 Arbeitsplätze. Die von den Investoren betonten positiven Effekte entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage. Eindeutig und vielfältig sind jedoch die negativen Effekte.

Laut Medienberichten will nun auch die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe mit 100 Millionen US Dollar in einen Ackerlandfonds einsteigen. Neben den USA und Australien sollen bis zu 30 Prozent des Geldes für Landkäufe in Brasilien genutzt werden. Vor Ort in Brasilien kämpfen seit vielen Jahren landlose Bauern und Bäuerinnen für ein kleines Stück Land. Dass sich nun Investoren riesige Ackerflächen von 10.000 Hektar und mehr sichern, erhöht den kommerziellen Druck auf Land gewaltig und verringert die Chancen, dass die ärmsten Bevölkerungsgruppen zu ihrem Recht kommen.

Eine neue Initiative, sogenannte Prinzipien für Ackerland (Farmland Principles), soll nun sicher stellen, dass die Investitionen keine negativen Auswirkungen haben. Die Erfahrung mit solchen unverbindlichen, von den Investoren federführend geleiteten Initiativen, lassen jedoch Zweifel an deren Wirksamkeit aufkommen. Dies zeigen auch die vielfältigen Proteste von Bauernorganisationen gegen vergleichbare Prinzipien, die aktuell von der Weltbank erarbeitet werden. „Nach unseren Erfahrungen lehnt auch die Bevölkerung in Deutschland, Rentenversicherte eingeschlossen, Investitionen in diesem menschenrechtlich höchst problematischen Bereich ab,“ so Roman Herre.

Artikel vom 23.09.2011 (pm/sec)


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