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Ngoba likusasa nelami – weil Morgen mir gehört
Mit einem Appell an traditionelle und moderne Werte zugleich versucht eine neue Kampagne in Swasiland die HIV-Infektionsrate unter Jugendlichen einzudämmen. Das Motto der Initiative lautet: "Ngoba likusasa nelami" – "weil Morgen mir gehört". Anders als bei früheren Aktionen setzen die Macher jetzt auf Abstinenz im Kampf gegen Aids.
Seit diesem Monat wirbt sie landesweit mit ganzseitigen Anzeigen in den nationalen Zeitungen, im Radio und auf großen Werbeflächen. Auf den Plakaten sieht man junge Menschen im goldenen Licht eines Sonnenaufgangs. Zugeordnet sind ihnen Sprüche wie: "Ich will meine Ausbildung zu Ende bringen. Sex kann warten", oder "Ich denke an meine Zukunft. Sex kann warten".
"Wir sagen den Teenagern, dass sie Verantwortung für ihr Leben übernehmen müssen, um ihr eigenes Überlebens und das der Swasi zu retten", sagte Tshepo Motlhala zu IPS. Der Designer hat die Kampagne für das 'National Emergency Response Committee on HIV/AIDS' (NERCHA) entworfen. Das Gremium wurde gegründet, um Geld aus dem Globalen Fonds für die Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie von privaten Spendern zu verwalten und zu verteilen. Gleichzeitig koordiniert NERCHA zunehmend die nationalen Aktivitäten jener Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die mit diesem Geld unterstützt werden.
"Für die neue Werbekampagne sind erstmals alle Beteiligten aus dem Gesundheitsbereich für ein gemeinsames Projekt zusammengekommen. Alle Parteien nahmen teil, an ersten Treffen zur Ideenfindung, den Umfragen unter Jugendlichen und an den Diskussionen über Anzeigenfotos und das Motto der Kampagne", so die Leiterin der Kommunikationsabteilung von NERCHA, Nana Mdluli, gegenüber IPS.
Selbstständig denken
Swasiland hat derzeit weltweit die höchste HIV-Infektionsrate. 42,6 Prozent der sexuell aktiven Erwachsenen sollen mit dem tödlichen Immunschwächevirus infiziert sein. Doch die Infektionsrate bei Teenagern, die bei unter 18-Jährigen zurzeit bei 15 Prozent liegt, bleibt stabil und könnte sogar zurückgehen.
"Das ist die erste Generation, die die verheerenden Auswirkungen von Aids durchlebt. Sie haben Freunde und Verwandte begraben müssen. Sie wissen, dass sie sich schützen müssen", erklärt Alan Brody, Vertreter des Weltkinderhilfswerks (UNICEF) in Swasiland.
Die Kampagne will Jugendlichen helfen, dem Druck von Gleichaltrigen und älteren Partnern standzuhalten, die sie zu Sex überreden wollen. Dazu zählen die so genannten 'sugar daddies' und 'sweet mamas', die Teenager mit Süßigkeiten und Geschenken zu verführen versuchen. "Wir wenden uns gegen eine Gesellschaft, die Kindern das selbstständige Denken nimmt", sagt Agnes Kunene, eine Krankenschwester und Beraterin für Jugendliche aus der Stadt Manzini.
"Junge Menschen müssen für sich selbst stehen können, insbesondere Mädchen. Um zu überleben, müssen sie Sex vermeiden", betont sie. "Frühere Kampagnen, die zum Gebrauch von Kondomen aufriefen, haben nach wie vor Gültigkeit. Aber Kondome können versagen. Abstinenz ist der einzige Weg, so hart er auch für Jugendliche sein mag."
Doch auch traditionelle Werte werden von der Initiative mobilisiert. Wer gesund bleibt, macht sich um sein Land verdient, heißt eine der Botschaften. "Das Motto 'Ich zuerst' in der Kampagne führt von Althergebrachtem weg, aber zugleich sprechen wir an, dass die Zukunft Swasilands auf dem Spiel steht", sagt Motlhala. "Die Jugendlichen in den Anzeigen tragen westliche Kleidung, aber sie sprechen die Landessprache Siswati. Damit zeigen wir, dass es nicht falsch ist, westliche Kleidung zu tragen, sofern man nicht vergisst, wo man herkommt."
Bewusstsein ändert sich, das Verhalten nicht
Es gibt auch Pläne, die Kampagne jenseits der klassischen Werbeträger weiterzuführen. Das Bildungsministerium ist an einem Theaterstück beteiligt, das zeigen soll, wie wichtig es ist, frühen Sex zu vermeiden. An Hundert weiterführenden Schulen soll das Stück von August an aufgeführt werden. Nach dem Schlussapplaus sollen Berater mit den Zuschauern diskutieren.
Daniel Halperin, Experte der US-Entwicklungsbehörde (USAID), ist überzeugt, dass frühere Kampagnen zum Thema Aids das Problembewusstsein in Swasiland geschärft haben. Das Verhalten hätten sie jedoch nicht geändert. "Selbst wenn wir den Zugang zu Medikamenten und Behandlungen enorm erhöhen, wäre ein Großteil der Bevölkerung Swasilands zu einer Zukunft verdammt, in der Krankheit den Alltag bestimmt. Es sei denn, die Welle der Neuinfektionen kann gestoppt werden", sagt er. "Die neue Kampagne ist ein wichtiger Schritt zur Einsicht, dass viele Geschlechtspartner die eigene Zukunft und die Landes zerstören können."
Es muss sich noch zeigen, ob die neue Kampagne Erfolg hat, wo andere versagt haben. Eine IPS-Umfrage ergab positive Resonanz von Seiten der Jugendlichen. "Sie ziehen sich hübsch an. Es ist eine Schande, so gut auszusehen und an Aids zu sterben", sagte etwa die Schülerin Janice nach einem Blick auf ein Plakat der Kampagne. "Ich mag die Aussage der Initiative, denn sie macht klar, dass auch ich eine Swasi bin und deshalb meinem Volk gegenüber Verantwortung trage", findet Ncamsile, eine weitere Schülerin.
Artikel vom 19.07.2005 (IPS)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Königreich Swasiland
Hauptstadt: Mbabane
Unabängigkeit: seit 06.09.1968
Klima: subtropisch
Amtssprache: Englisch, Siswati
Größe: 17.364 km²
Einwohnerzahl: ca. 1.100.000
Währung: Lilangeni (100 Cents)
Telefonvorwahl: +268
KFZ-Kennzeichen: SD
Internet-TLD: .sz
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