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Politik » Artikel
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Berlin, 07.09.2010 |
100.000 tote AfrikanerInnen – keine Relevanz im historischen Gedenken?
Anlässlich des Beginns des Maji-Maji-Widerstandes vor hundert Jahren sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, unter anderem ein ritueller Gedenkzug durch Berlin. Der Afrika-Rat Berlin-Brandenburg ist der Meinung, Deutschland verdränge noch immer den kolonialen Genozid im heutigen Tansania und fordert deshalb die Bundesregierung auf, sich der Verantwortung gegenüber Deutschlands kolonialer Vergangenheit zu stellen. Hier die Stellungnahme im Wortlaut.
Im Sommer 1905 begann der Maji-Maji-Widerstand gegen die deutschen Kolonisatoren im Süden des heutigen Tansania. Der militärischen Niederschlagung folgte eine „Politik der verbrannten Erde“ auf einem Gebiet so groß wie die heutige Bundesrepublik. Mehr als 100.000 AfrikanerInnen wurden Opfer des zweijährigen Vernichtungskrieges deutscher Kolonialtruppen.
Einige Schätzungen von WissenschaftlerInnen sprechen von bis zu 300.000 Toten, da viele Kinder, Frauen und Männer durch die Folgen der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen, vor allem der Vernichtung von Feldern, Saatgut und Vieh, verhungerten oder durch Unterernährung körperlich geschwächt, an Krankheiten starben. Trotz seines Ausmaßes und seiner historischen Folgen findet dieser Genozid in deutschen Geschichtsbüchern und in der deutschen Gedenkkultur kaum Beachtung.
Bis heute gibt es in Deutschland nicht eine einzige Gedenkstätte für afrikanische Opfer des deutschen Kolonialismus, im Übrigen auch nicht für diejenigen der NS-Zeit. „Wir wollen auf diese Missachtung der unzähligen ermordeten Afrikaner und Afrikanerinnen aufmerksam machen, und wir fordern die Bundesregierung auf, endlich ein würdiges Andenken für die afrikanischen Opfer deutscher historischer Verbrechen einzurichten“, betont Moctar Kamara, Vorstandsmitglied des Afrika-Rates, nachdrücklich.
Auch, um diese Forderung zu unterstreichen, beteiligte sich der Afrika-Rat am Gedenkzug und der Gedenkzeremonie für die Opfer des Maji-Maji-Widerstandes, die von dem tansanischen Verein Umoja wa Watanzania Berlin/Brandenburg und der Werkstatt der Kulturen koordiniert werden.
Die Aufarbeitung historischer Verbrechen war auch ein zentrales Thema auf der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus 2001 in Durban, Südafrika. Mit der Unterzeichnung der Abschlussdokumente hat die Bundesregierung Kolonialismus verurteilt, und sie hat das Leid der Kolonisierten und die bis heute andauernden Folgen der Kolonisation anerkannt. Sie hat gemeinsam mit allen Unterzeichnerstaaten zugleich bestätigt, dass Kolonialismus Ursache von Rassismus ist. Trotz dieser Bekenntnisse ist Deutschland jedoch seiner in Durban eingegangenen Verpflichtung, bis Ende 2003 unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus vorzulegen, bis heute nicht nachgekommen.
Der Afrika-Rat fordert die Bundesregierung auf, seine in Durban eingegangene Verpflichtung zu erfüllen und sich der historischen Verantwortung zu stellen. Ein wichtiger Schritt ist es, zügig einen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus zu verabschieden. Dieser muss die koloniale Vergangenheitsbewältigung als Teil effektiver Maßnahmen zum Abbau von Rassismus beinhalten.
Judy Gummich, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im Afrika-Rat stellt klar: „Die Politikerinnen und Politiker und auch die Gesellschaft müssen endlich begreifen, dass der Rassismus im Deutschland von heute im Rassismus der Kolonialzeit verwurzelt ist. Wir erwarten von der Bundesregierung und den Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, dass sie ernsthafte Maßnahmen gegen Rassismus ergreifen, vor allem um die zunehmenden rassistisch motivierten Übergriffe und Morde zu stoppen.“
Wie Afrika-Start.de berichtete, wurde der Afrika-Rat (e.V. i.G.) – Dachverband afrikanischer Initiativen und Organisationen Berlin-Brandenburg Ende Mai von mehr als 20 Vereinigungen als erster regionaler Dachverband der afrikanischen Diaspora für Berlin und Brandenburg gegründet.
Wichtigste Aufgabe des Afrika-Rates ist es, die gemeinsamen Interessen der afrikanischen Diaspora in Berlin und Brandenburg zu bündeln und zu vertreten. Wichtige Ziele des Dachverbandes sind, die afrikanische Diaspora besser zu vernetzen, die Lobby für Menschen afrikanischer Herkunft zu stärken und die Integration von Menschen afrikanischer Herkunft in allen gesellschaftlichen Bereichen zu unterstützen.
Insbesondere setzt sich der Afrika-Rat für den Abbau von Rassismus und Diskriminierungen gegenüber AfrikanerInnen / Menschen afrikanischer Herkunft ein. Nicht davon zu trennen und wesentlicher Fokus ist für den Afrika-Rat das Empowerment und die Selbstvertretung von AfrikanerInnen / Angehörigen der afrikanischen Diaspora und ihrer Vereinigungen.
Artikel vom 29.08.2005 (SEC)
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Unbenanntes Dokument
Länderinfo
Vereinigte Republik Tansania
Hauptstadt: Dodoma
Unabängigkeit: seit 09.12.1961
Klima: tropisch
Amtssprache: Suaheli
Größe: 945.087 km²
Einwohnerzahl: ca. 37.000.000
Währung: Tansania-Schilling (100 Cents)
Telefonvorwahl: +255
KFZ-Kennzeichen: EAT
Internet-TLD: .tz
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